Internet beeinflußt deutsche Rechtsauslegung

Montag, 16. Februar 1998

Erstmals hat ein Gericht den Einfluß des Internet auf die Rechtsordnung erkannt und deutsches Rechtim Lichte des Internet ausgelegt. Das Landgericht Trier hatte zu entscheiden, ob die Internetpräsentation eines Trierer Zahnarztes mit geltendem Standesrecht vereinbar ist. Die Berufsordnung verbietet dem Zahnarzt jede Form der Werbung und Anpreisung. Doch sei "angesichts der Internationalität des Internet und seiner globalen Reichweite auch eine Anpassung deutscher Sichtweisen an international übliche Standards gerechtfertigt", so das Landgericht Trier. Und es dürfe "den Angehörigen freier Berufe nicht verwehrt bleiben, ihre Darstellung den gewandelten Verhältnissen anzupassen". Damit zeigt das Landgericht nicht nur Verständnis für die Grenzenlosigkeit des Internet, sondern greift erstmals auch in das Standesrecht ein. Aus dieser Sicht ist die Entscheidung ein Novum in der deutschen Rechtsgeschichte. Der Argumentation des Landgerichts Trier folgend, dürften auch andere Berufsordnungen, die eine Präsentation im Internet grundsätzlich nicht zulassen, hinfällig sein.
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