Intendant Thomas Bellut will ZDF Kultur einstellen

Freitag, 22. Februar 2013
Thomas Bellut muss den Rotstift ansetzen
Thomas Bellut muss den Rotstift ansetzen


Das ZDF greift zu drastischen Maßnahmen, um die Löcher in seinem Haushalt zu schließen: Intendant Thomas Bellut wird den Aufsichtsgremien vorschlagen, den Digitalkanal ZDF Kultur einzustellen. Außerdem will Bellut nach dem Vorbild der in Berlin gebündelten Kulturredaktion weitere Plattformredaktionen schaffen.
Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Intendant von sich aus die Schließung eines Programms vorschlägt. Doch das ZDF steht mit dem Rücken zur Wand. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt rechnet für das laufende Jahr mit einem Minus von rund 9 Millionen Euro. Die bislang geplanten Sparmaßnahmen reichen offensichtlich nicht aus, um die Löcher im Haushalt zu stopfen. Intendant Thomas Bellut will dem ZDF-Fernsehrat und den Bundesländern daher die Einstellung des Digitalkanals ZDF Kultur vorschlagen, wie der Sender am Freitag mitteilte. Die von der Politik geforderte Beitragsstabilität zwinge das ZDF zu Sparmaßnahmen, begründet Bellut den Schritt.

Der Sender soll bis zur endgültigen Entscheidung der Bundesländer nun so rasch wie möglich auf ein Wiederholungs- und Schleifenmodell umgestellt werden. Die "anerkannt innovativen Programmformate" des Senders sollen künftig bei ZDF Neo und 3sat ausgestrahlt werden. Die Einstellung von ZDF Kultur dürfte für Zuschauer und den Sender indes verschmerzbar sein: Der Sender hatte im vergangenen Jahr im Schnitt einen Marktanteil von 0,1 Prozent.

Außerdem schafft das ZDF nach dem Vorbild der in Berlin gebündelten Kulturredaktion weitere Plattformredaktionen, um Synergien zu schaffen. So wird die bislang vom ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp geleitete Redaktion Zeitgeschichte mit der Redaktion von "Terra X" zu der gemeinsamen Redaktion Geschichte zusammengeführt. Auch die Redaktionen der Service-Sendungen "Wiso" und "Volle Kanne - Service täglich" werden in einer Plattformredaktion gebündelt.

ZDF-Intendant Bellut hatte im vergangenen Jahr ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt. Der öffentlich-rechtliche Sender rechnet für das laufende Jahr zum ersten Mal mit einem negativen Gesamtergebnis zu Beginn einer neuen Gebührenperiode und einem negativen Betriebsergebnis von 9,3 Millionen Euro. Ursache sind laut ZDF die Umstellung auf die neue Haushaltsabgabe und die im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich deutlich geringeren Werbeeinnahmen. dh
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