"Impulse": Chefredakteur Nikolaus Förster kauft sein Magazin / Potenter Mitinvestor

Donnerstag, 10. Januar 2013
Nikolaus Förster
Nikolaus Förster

Die Tinte beim Notar ist jetzt trocken: Das bisherige Gruner + Jahr-Wirtschaftsmagazin "Impulse" ist gerettet - dank dem Mut und Unternehmergeist des Chefredakteurs Nikolaus Förster. Der 44-Jährige kauft dem Großverlag das Monatsmagazin ab, wie bereits beim Aus für die "FTD" und zuletzt wieder in der vergangenen Woche vermutet. Der Mittelstands-Journalist wird selber Mittelständler. Doch Förster macht es nicht ganz alleine. Zeitnah will sich der Immobilieninvestor Dirk Möhrle, bis 2005 Chef und Miteigentümer der Baumarktkette Max Bahr, mit einem zweistelligen Minderheitsanteil an der neu gegründeten Impulse Medien GmbH beteiligen. Durch Möhrles Kapital könne Förster sein Management-Buy-out (MBO) - oder besser: Chefredakteur-Buy-out - ohne Bankkredite stemmen, heißt es.

Rund 20 Redakteure aus dem Mittelstandsteam der aufgelösten G+J-Wirtschaftsmedien werden fest übernommen, zehn weitere Mitarbeiter sollen fest oder frei dazukommen. Das Februar-Heft, das Ende Januar erscheint, wird bereits von der neuen Firma produziert, letztmalig in den G+J-Räumen. Derzeit verhandelt Förster mit G+J, welche Dienstleistungen (Werbevermarktung, Vertrieb) er künftig vom Großverlag in Anspruch nehmen wird.

Mit „Impulse" verkauft G+J zum dritten Mal ein Asset an verantwortliche Mitarbeiter: Ende 2009 übernahm Katarzyna Mol, bis dato Verlagsleiterin des mit von ihr für G+J entwickelten Titels, das Frauenmagazin „Emotion" - auch diese Zeit ist Thema ihrer Autobiographie, die 2012 erschien. Der zweite Fall: Im vergangenen Frühjahr kaufte Thomas Köhl, bis dato Geschäftsführer des verlagseigenen Messeveranstalters G+J Events, diesen dem Großverlag ab. Förster ist daher der erste Chefredakteur im Haus, der diesen Schritt wagt.

Ob nach dem Aus der „FTD" auch das wöchentliche Anlegermagazin „Börse Online" durch ein MBO oder Chefredakteur-Buy-out - Chefredakteurin Stefanie Burgmaier soll interessiert sein - gerettet werden kann, ist ungewiss. Laut „Tagesspiegel" gibt es noch einen externen Kaufinteressenten. Bis Ende Januar gebe sich der Verlag Zeit, einen Käufer zu finden, sonst droht das Aus. Das vierte Magazin im Bunde - das monatliche „Capital" - verbleibt bekanntlich bei G+J, allerdings in Berlin. Hier gilt Horst von Buttlar, bisher Leiter des Agenda-Ressorts der „FTD", als Kandidat für den Chefposten. Vorgänger Steffen Klusmann, der auch „FTD"-Chef war, will das Haus bekanntlich in ein paar Monaten verlassen.

Insgesamt sind durch das weitgehende Aus der G+J Wirtschaftsmedien über 360 Mitarbeiter (314 Redakteure plus rund 50 Mitarbeiter in Vermarktung, Vertrieb und Verwaltung) in Hamburg, Frankfurt und weiteren Außenbüros betroffen. Rund 30 von ihnen können nun bei „Impulse" unter dem neuen Firmendach weiterarbeiten. Bei „Capital" lässt das Arbeitsrecht eine Weiterbeschäftigung allerdings nicht zu, da dieses Magazin weiterhin bei G+J erscheint. rp

Meist gelesen
stats