Image-Spot von ARD und ZDF sorgt für Ärger

Donnerstag, 09. Oktober 2008
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ARD ZDF Unmut Pressefreiheit Martin Luther Sophie Scholl DDR


Ein neuer Image-Spot von ARD und ZDF sorgt für Unmut. Darin inszenieren sich die öffentlich-rechtlichen Sender als Hüter von Pressefreiheit und freiem Zugang zu Informationen. Zu sehen sind in dem Spot unter anderem die Erfindung des Buchdrucks, der Anschlag der Thesen von Kirchenreformator Martin Luther, eine Szene aus "Sophie Scholl - Die letzten Tage" und Demonstrationen aus dem Herbst 1989 in der DDR. Dazu heißt es aus dem Off: "Jeder hat ein Recht auf freien Zugang zu Informationen." Der rund eine Minute lange Spot ist einer von insgesamt sechs Filmen, mit denen ARD und ZDF derzeit für ihre Online-Angebote werben.

"Die Imagekampagne schießt weit über das Ziel hinaus", sagt Marc Jan Eumann, medienpolitischer Sprecher der SPD und Mitglied des WDR-Rundfunkrates, gegenüber der "Frankfurter Rundschau". Die Öffentlich-Rechtlichen sollten lieber durch gute Programme für sich werben oder sich bei den Gebührenzahlern bedanken. Gewohnt deutliche Worte findet Jürgen Doetz, Präsident des Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT): "Dieser Spot ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten", ärgert sich der oberste Vertreter der privaten Sender: "Das ist gebührenfinanzierte Volksverdummung."

Zwischen den Öffentlich-Rechtlichen und privaten Medienunternehmen herrscht derzeit ein erbitterter Streit über die Online-Aktivitäten von ARD und ZDF. Die privaten Medien fordern, dass die Politik den Öffentlichen-Rechtlichen im Internet engere Grenzen setzt, während ARD und ZDF im Netz weitgehend frei agieren wollen. Die Regeln sollen im 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag festgeschrieben werden, der zurzeit diskutiert wird. Die nächste Sitzung der Rundfunkkommission der Länder findet am 23. und 24. Oktober statt. dh
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