Im Stile von Mad Men: Werber schreibt Fortsetzungsroman im Netz

Mittwoch, 27. März 2013
Hertels Facebook-Seite für den Roman (Bild: Screenshot facebook.com/derunabgeschlosseneroman)
Hertels Facebook-Seite für den Roman (Bild: Screenshot facebook.com/derunabgeschlosseneroman)


Ein Werber startet auf Facebook einen fiktiven Fortsetzungsroman - es geht um Werbung, Liebe, Kriminalität. Doch vor allem ist "Der unabgeschlossene Roman" ein Experiment. Denn was zunächst als kleiner Scherz am Rande gedacht war, hat sich mittlerweile zu einem mehr als 50 Episoden umfassenden Komplex samt eigener Homepage entwickelt. Autor Jan Hertel erklärt, was sich hinter seinem Roman-Projekt verbirgt.
Jan Hertel (Bild: Privat)
Jan Hertel (Bild: Privat)
"Er betrat das Haus, nicht ohne sich zu vergewissern, ob ihn jemand beobachtete. Valerie saß im Wohnzimmer am geöffneten Fenster. Ihr Blick war leer, als sie ihn bemerkte. Wie war dein Tag? fragte sie ihn, ohne ihn dabei anzusehen. Sein Blick folgte ihrem, hinaus durchs Fenster in den Garten. Dort brannte es. Er ging näher, um zu sehen, was dort in Flammen aufging. Er erstarrte. Es waren seine ADC Jahresbücher. Ein letztes Mal, ein allerletztes Mal fragte er sie: Sag mal, Valerie, hackt's?" Mit diesen Sätzen begann vor einigen Wochen auf Facebook "Der unabgeschlossene Roman", der - nomen est omen - bis heute täglich um ein Kapitel wächst. Eine befreundete Werberin hatte über Exit-Strategien sinniert und war dabei auf die Idee eines eigenen Romans gekommen. "Sie schickte mir die ersten drei Sätze zu, ich sollte die nächsten 350 Seiten schreiben", erklärt Hertel. So begann es. Zunächst auf Hertels eigener Seite, später auf einer eigenen Facebook-Page. Das Ende? Bislang nicht abzusehen.

In dem Fortsetzungsroman geht es um zwei Werber und ihren Alltag in der Branche, Liebeleien, Kriminalgeschichten, Skurillitäten. Also eine Insiderstory im Stile von "Mad Men". Der Mann weiß, wovon er schreibt: Hertel ist seit 1997 in der Werbung, zuletzt arbeitete er als Texter für DDB Tribal. Dort hat er etwa den Blog "Horst Schlämmer macht den Führerschein" für Volkswagen geschrieben, der ihm unter anderem einen ADC-Nagel in Bronze in der Kategorie "Text" einbrachte. Heute arbeitet er als Freelancer wieder für DDB Tribal. Allerdings, das betont Hertel, handelt es sich bei seinem Roman-Projekt nicht um eine Abrechnung mit der Werbebranche. Vielmehr sei der Roman eine "kritische, aber liebevolle Beschreibung von Abläufen in Agenturen, die teilweise etwas absurd sind." So dreht sich ein Erzählstrang um die kleine inhabergeführte Agentur "Prügler Freywald Otts", die um "Zaun und Zollstock", Deutschlands auflagenstärkstes Heimwerkermagazin, pitcht. Ähnlichkeiten der Protagonisten mit real existierenden Personen? Rein zufällig. Der Name Amir Kassaei fällt dennoch unweigerlich.

Im Laufe der Wochen sei die Geschichte immer ausgefeilter, die Charaktere immer komplexer geworden - und auch die Zahl der Facebook-Fans steigt stetig. Zu den regelmäßigen Lesern gehört etwa die freie Beraterin Carola Wendt, langjährige Personalchefin bei Jung von Matt - selbstredend hat sie auch eine Gastrolle im Roman. Um auch Neueinsteigern das Lesen zu erleichtern, startete Hertel schließlich die Microsite derunabgeschlosseneroman.de. Und das Feedback der Leser ist durchaus positiv: "Gerade von Werbern bekomme ich häufig gesagt: 'Jan, genau so ist es'", berichtet Hertel.

Lesen kann, darf, soll das aber jeder, der Lust hat. Denn abgesehen von seinem Sujet, ist "Der unabgeschlossene Roman" eine ganz normale, natürlich möglichst abwechslungsreiche Geschichte - das soll auch der Untertitel "Eine Geschichte aus dem Leben von Werbern, Nichtwerbern und allen anderen Menschen" dokumentieren. "Der Stil ist auf das Format zugeschnitten. Kurze, schnelle Sätze. Gedankengänge ohne umständliche Formulierungen. Perfekt fürs mobile Lesen in der U-Bahn oder mal schnell zwischendurch", so Hertel. Denn die Lektüre soll vor allem eines: Spaß machen. ire
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