Im Interview: Xing-Marketer Ludowig zeigt Muskeln

Donnerstag, 06. Mai 2010
Carsten Ludowig
Carsten Ludowig

Während Verlage über Trading – online ohnehin praktiziert, aber in Print bisher verteufelt – auch für ihre Druckerzeugnisse nachdenken, geht das Business-Netzwerk Xing inzwischen bewusst den entgegengesetzten Weg und sagt "Nein" zur Restplatzvermarktung. Im Interview mit HORIZONT.NET nennt Carsten Ludowig, Director Advertising & Partnerships bei Xing, Gründe und zeigt Muskeln gegenüber den Newsportalen im Business-Bereich. Xing hat rund 700.000 Premium-Kunden. Die bekommen keine Werbung zu sehen. Dabei dürften das doch gerade die interessanten Kunden sein. Ein Problem?
Carsten Ludowig: Premium-Kunden sehen beispielsweise Formate wie unsere BestOffers. Das sind exklusive Angebote von Partner-Unternehmen, die die Premium-Mitgliedschaft für viele noch attraktiver machen. Das wird nicht als Werbung wahrgenommen. Darauf kommt es uns an: Dass die Werbung von den Nutzern akzeptiert wird und ihnen einen Mehrwert bietet.

Der Anteil der Werbeeinnahmen am Gesamtumsatz ist noch vergleichsweise überschaubar. Wie wollen Sie wachsen?
Es gilt unsere Positionierung als Netzwerk für Business Professionals noch stärker herauszuarbeiten. Mit der Ausweisung in der AGOF als erstes Business-Netzwerk und IVW-geprüften Reichweitenzahlen haben wir einen wichtigen Schritt gemacht, um als Werbeplattform noch planbarer und vergleichbarer zu sein. Die Anfragen haben dadurch bereits deutlich zugenommen. Darüber hinaus wollen wir auch das Inventar der Werbeformen erweitern.

Welche Rolle können dabei künftig interaktivere Werbeformen spielen? 
Wir haben einige Ideen. Wir prüfen aber sehr genau, inwieweit sie in einem Business-Kontext sinnvoll sind. Es macht keinen Sinn, einfach Dinge von anderen Netzwerken zu kopieren. Für uns entscheidend ist die Akzeptanz unserer Mitglieder und die Effektivität der Werbeform.

Carsten Ludowig

Carsten Ludowig kam im Herbst 2009 als Director Advertising & Partnerships in die Führungsmannschaft von Xing. Ludowig wechselte von G+J Electronic Media Sales, dem Vermarkter digitaler Medien von Gruner + Jahr, wo er seit 2003 und zuletzt als Director Sales Strategy & Business Development die Bereiche Verkaufssteuerung, Mobile, Creative Solutions, Kooperationen und neue Geschäftsfelder verantwortete. Zuvor war Ludowig sieben Jahre in verschiedenen leitenden Positionen bei der T-Online Tochter Interactive Media tätig. Zusammen mit seinem Team soll Carsten Ludowig Vermarktungsstrategien und -Produkte entwickeln, externe Vermarkter steuern, strategische Kooperationen anbahnen und neue Möglichkeiten zur Kapitalisierung der Plattform entwerfen. 

Und derweil kommen die Werbekunden mit den gewohnt niedrigen Preisvorstellungen im Displaybereich zu Ihnen? 
Wir vertrauen auf eine Premium-Preisstrategie. Wir konzentrieren uns deshalb auf Kunden, die hochwertige Zielgruppen ansprechen wollen. Das hat natürlich seinen Preis. Es geht uns um Klasse, nicht um Masse, das ist nicht zuletzt für unsere Mitglieder wichtig. Daher haben wir zum Beispiel auch die Restplatzvermarktung abgeschafft.

Können Sie sich das leisten? 
Es ist die richtige Strategie. Wir verzichten lediglich auf Werbekunden, die nur performanceorientiert denken, aber nicht unsere Leistung in Sachen Branding honorieren. Wir verzichten dadurch letztlich nicht auf Einnahmen, sondern können hochwertigen Kunden ein exklusiveres Werbeumfeld bieten.

Die Einrichtung gestalteter Unternehmensprofile ist aber vergleichsweise günstig bepreist. 
Zunächst einmal erhält jedes Unternehmen ein kostenloses Profil. Mit den kostenpflichtigen Lösungen können Unternehmen deutlich mehr Features integrieren. Es ist kein Produkt, mit dem wir lediglich große Konzerne ansprechen wollen, sondern ganz bewusst auch kleine und mittelständische Unternehmen, die sich auf der Plattform vernetzen wollen. Wir sehen die Profile zudem als Ausgangspunkt für andere Formate, weil sie sich beispielsweise mit Werbekampagnen auf Xing verknüpfen lassen.

Inwieweit sehen Sie sich angesichts der AGOF-Ausweisung und den IVW-Zahlen nun als direkter Wettbewerber zu den Newsportalen? 
Wir konkurrieren nicht mit den klassischen Newsportalen. Aber wir sehen uns als klarer Wettbewerber zu den Business- und Wirtschaftsportalen dieser Welt wie Capital.de, Ftd.de, Handelsblatt.com. In diesem Segment, das die Business Professionals anspricht, bietet Xing die mit Abstand größte Reichweite.

Burda ist vor einiger Zeit als Anteilseigner eingestiegen. Welche Kooperationen sind geplant?
Natürlich überlegen wir uns, wie man sinnvoll zusammenarbeiten kann. Details kann ich gegenwärtig nicht nennen. Interview: Olaf Kolbrück
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