Im Interview: Google-Deutschland-Chef Tweraser über die neue Anzeigenvielfalt

Mittwoch, 04. August 2010
Stefan Tweraser erwartet durch die Änderung keine großen ökonomischen Auswirkungen
Stefan Tweraser erwartet durch die Änderung keine großen ökonomischen Auswirkungen
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Wer nach Apple sucht, der bekommt bei Google künftig womöglich auch Anzeigen von Windows zu sehen. Bislang war das verboten. Möglich macht dies die neue Markenrichtlinie von Google in Europa. Sie erlaubt es Unternehmen, geschützte Begriffe als Keywords zu buchen. Im Interview erklärt Stefan Tweraser, Country Director von Google in Deutschland, die Folgen für Marken und die Vorteile für Nutzer. Google erlaubt mit Blick auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes nun auch in Deutschland Keyword-Werbung zu fremden Markennamen. Können Sie nun auf eine Flut neuer Buchungen hoffen?

Tweraser: Wir glauben nicht, dass es große ökonomische Auswirkungen haben wird. Weder auf uns, noch auf die Anzeigenkunden. Es geht uns mit der Änderung um drei Dinge: Erstens wollten wir die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes umzusetzen; zweitens vereinheitlichen wir damit unsere Richtlinien auf internationaler Ebene. Und drittens profitieren vor allem unsere Nutzer von einer größeren Anzeigenvielfalt.

Gerade kleine Unternehmen könnten doch nun mit der Buchung von Suchanzeigen zu großen Markennamen mehr Traffic erzeugen?

Tweraser: Das ist auf den ersten Blick natürlich eine mögliche Strategie. Aber man muss die Mechanik  hinter den Suchanzeigen von Google verstehen.  Die Attraktivität des Anzeigenplatzes ist im Grunde das Produkt aus Preis und Qualitätsfaktor. Ein zentraler Indikator für den Qualitätsfaktor ist dabei die Häufigkeit, mit der auf Anzeigen geklickt wird. Wenn dort ein beliebiger Anzeigentext zu einem Suchbegriff erscheint, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Nutzer ihn anklickt.

Müssen sich große Unternehmen sich nun mehr Gedanken um ihre Keywords machen?

Tweraser:  Große Unternehmen müssen primär darauf achten, dass fremde Unternehmen keine irreführenden Anzeigen schalten, wenn nach der eigenen Marke gesucht wird. Es ist keine von uns empfohlene Strategie, nun jede Wettbewerber-Marke mit einer eigenen Suchanzeige zu belegen.

Wie profitiert der User von der Änderung?

Der Manager

Stefan Tweraser ist seit 2008  Country Director Sales von Google Deutschland. Tweraser war zuvor Bereichsleiter Marketing Retail der Telekom Austria in Wien. Davor war der studierte Betriebswissenschaftler Management-Consultant und Partner bei der Beratungsgesellschaft McKinsey.

Tweraser: Wenn der Nutzer nach einem Markenbegriff sucht, kann er auf Alternativen und ergänzende Angebote treffen. Er bekommt also mehr Information. Wenn er noch entscheidungsoffen ist, wird er die Anzeigen womöglich auch anklicken.

Gehören rechtliche Streitigkeiten um Markenrechtsverletzungen bei Google damit nun der Vergangenheit an?


Tweraser: Wir gehen davon aus, dass es deutlich weniger Markenbeschwerden geben wird. Denn nicht mehr die Tatsache der Anzeige als solcher kann künftig Auslöser für einen juristischen Disput sein, sondern lediglich ein irreführender Anzeigentext.

Wie viele Beschwerden von Markeninhabern hat Google denn bekommen?

Tweraser: Es waren europaweit einige hundert Beschwerden im Monat. Das klingt zunächst einmal viel, war aber im Verhältnis zur Zahl der Suchbegriffe minimal.

Interview: Olaf Kolbrück
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