IVW: Nur "Handelsblatt" und "taz" legen bei der harten Auflage zu

Freitag, 20. Juli 2012
Fast alle Tageszeitungen gehen am Kiosk immer seltener weg
Fast alle Tageszeitungen gehen am Kiosk immer seltener weg


Bei den am Montag vorgelegten Quartalsauflagen überraschten fast alle überregionalen Tageszeitungen mit steigenden Verkaufszahlen. Beim Blick auf die am Freitag veröffentlichten Detailzahlen trübt sich Bild allerdings wieder ein. Bis auf das "Handelsblatt" und die "taz" haben alle großen Tageszeitungen in den harten Kategorien Abo und Einzelverkauf verloren. Interessant ist auch der Blick auf die erstmals ausgewiesenen E-Paper-Zahlen: Hier liegt die "Süddeutsche Zeitung" mit großen Abstand an der Spitze. Nach den aktuellen IVW-Zahlen für das 2. Quartal 2012 konnte das "Handelsblatt" im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 4643 neue Abonnenten dazugewinnen - ein Plus von 6 Prozent auf 81.415 Abos. Damit konnte die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung den leicht rückläufigen Einzelverkauf (minus 497 auf 5909 Exemplare) mehr als kompensieren und liegt bei der harten Auflage mit 5 Prozent im Plus.

Daneben konnte lediglich noch die Berliner "taz" neue Abonnenten dazugewinnen. Die linksalternative Tageszeitung zählte im 2. Quartal 1149 mehr regelmäßige Käufer als im Vorjahresquartal und verkauft damit jetzt 47.068 Exemplare per Abonnement - bei einer verlauften Auflage von insgesamt 57.761 Stück ein Top-Wert für eine überregionale Tageszeitung.

Alle anderen Blätter mussten im 2. Quartal in den harten Kategorien Abo und Einzelverkauf weiter sinkenden Zahlen hinnehmen. Weiterhin bedenklich rasant abwärts geht es bei der "Frankfurter Rundschau": Das kriselnde Traditionsblatt aus Frankfurt verliert sowohl bei den Abonnenten als auch im Einzelverkauf weiter an Boden. Insgesamt ist die verkaufte Auflage im 2. Quartal um 3545 Exemplare auf 118.947 Stück gesunken.

Auch die zweite große Tageszeitung aus der Mainmetropole, die "Frankfurter Allgemeine", hat im Vergleich zum Vorjahresquartal 4615 Abonnenten verloren. Fast im gleichen Umfang sind die Abos bei der "Welt" zurückgegangen (-4630), die sich zudem am Kiosk zuletzt deutlich schlechter verkauft hat (-4722 Stück). Insgesamt beläuft sich das Minus in den harten Kategorien Abo und Einzelverkauf bei der Tageszeitung von Axel Springer damit auf über 9000 Exemplare. Nur eine deutliche Aufstockung der sonstigen Verkäufe und der Bordexemplare konnte hier ein deutliches Minus bei der verkauften Auflage verhindern.

Zu ähnlichen Maßnahmen mussten die "Süddeutsche Zeitung", die in den Kategorien Abo und Einzelverkauf ein Minus von 7200 Exemplare verzeichnet, und die "Financial Times Deutschland" greifen, die mit mittlerweile 43.354 Bordexemplaren die verkaufte Auflage nur noch mühsam über der Marke von 100.000 Exemplaren halten kann. Die Zahl der per Abo verkauften Exemplare sank indes um weitere 2525 . Bei der "Bild" ist dagegen der Einzelverkauf die wichtigste Kenngröße: Hier verlor das Massenblatt 6,6 Prozent. Insgesamt sank die verkaufte Auflage von Axel Springers Milchkuh um 5,3 Prozent auf 2.752.242 Exemplare.

Zum ersten Mal getrennt ausgewiesen wurden mit den Quartalsauflagen für das 2. Quartal die Zahl der verkauften E-Paper: Hier liegt die "Süddeutsche Zeitung" mit 13.025 verkauften E-Paper mit Abstand vorne. Die "Frankfurter Allgemeine" kommt auf 9780 verkaufte E-Paper, die "taz" liegt mit 4767 auf digitalem Wege verkauften Exemplaren auf Platz 3 - übrigens einem hohen Anteil von per Abonnement verkauften E-Papern, während bei den meisten anderen Blättern der Anteil der Sonstigen Verkäufe hier recht hoch ist. "Die Welt" zählt 3654 , die "FTD" 1371 und das "Handelsblatt" 969 verkaufte E-Paper. Die rote Laterne bei den überregionalen Tageszeitungen hält die für ihre digitalen Produkte hochgelobte "Frankfurter Rundschau" mit 584 verkauften E-Papern - davon aber ganze 571 per Abonnement. dh
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