IVW IV/2009: Verlage bereinigen Auflagen

Mittwoch, 20. Januar 2010
Auch der "Spiegel" muss Federn lassen
Auch der "Spiegel" muss Federn lassen

Das Ziel, die Auflagen wirtschaftlicher zu machen, bezahlen die Verlage mit zum Teil deutlichen Auflagenrückgängen. Auch bei den drei großen Nachrichtenmagazinen „Spiegel", „Stern" und „Focus" zeigt die Bereinigung Wirkung. Die detaillierten Auflagen der IVW zum 4. Quartal 2009 zeigen, dass nicht nur Burdas "Focus" durch eine massive Reduzierung von Bordexemplaren, Freistücken und sonstigen Verkäufen deutlich Federn gelassen hat. Dort ist die verkaufte Auflage binnen Jahresfrist von 738.679 verkauften Exemplaren auf 579.788 gesunken. Aber der Rückgang hat auch andere Gründe: Der Einzelverkauf sinkt um 9 Prozent und liegt damit nur noch bei 99.754 Stück. Auf Wolfram Weimer, der zum 1. März neben Helmut Markwort und Uli Baur als Chefredakteur antritt, wartet  ein hartes Stück Arbeit, wenn er neue Leser ansprechen will, die ja zuallererst einmal am Kiosk zugreifen müssen.

Aber auch Gruner + Jahrs „Stern" rutscht unter magische Schwellen und kommt im 4. Quartal 2009 weniger gut bei den Käufern an, als 2008: Er verkauft insgesamt nur noch 895.962 Exemplare. Der Rückgang der verkauften Auflage von 6,75 Prozent hängt maßgeblich mit deutlich geringeren Kiosk-Verkäufen zusammen. Der Einzelverkauf ist um knapp 10 Prozent auf 297.891 Stück gesunken. Auch der „Spiegel" wird am Kiosk abgestraft und verkauft dort rund 7 Prozent weniger. Trotz der Reduzierung von Sonstigen Verkäufen und Freistücken, bleibt der Titel mit 1.016.373 verkauften Exemplaren jedoch weiter oberhalb der Millionenschwelle. Ohne die 80.584 Bordexemplare, die Geschäftsführer Ove Saffe perspektivisch reduzieren will, läge jedoch auch schon der „Spiegel" unter der Millionenschwelle.

Im eng besetzten Programmzeitschriftensegment konnte sich bei der „harten" Auflagenwährung Abo- und Einzelverkauf lediglich Bauers „TV 14" steigern: Die mit knapp 2,5 Millionen verkauften Exemplaren größte Zeitschrift in diesem Segment verbesserte sich im Einzelverkauf um 7,3 Prozent, im Abo-Verkauf um rund 2 Prozent. Ein doppelter Grund zur Freude also für Ralf Meyke, Geschäftsführer Bauer Programm GmbH: Der Titel verzeichnete - nach "Landlust" - das zweitstärkste Plus im Gesamtverkauf im 4. Quartal unter allen IVW-gelisteten Zeitschriften. Ein leichtes Plus im Einzelverkauf verbucht auch „TV Movie" (plus 2,6), im Abo-Bereich muss der Titel von Bauer Media allerdings ein Minus von knapp 5 Prozent einstecken.

Rückläufig entwickelte sich die harte Auflage dagegen bei Burdas „TV Spielfilm plus" (Abo: minus 6,7 Prozent, EV: minus 5 Prozent) und Axel Springers „TV Digital" (Abo: minus 12 Prozent, EV: minus 20,5 Prozent). Auffällig hoch sind vor allem die Sonstigen Verkäufe: Hier verzeichnet „TV Digital" ein zweistelliges Plus gegenüber dem Vorjahresquartal.

Auch bei den  Frauentiteln müssen renommierte Zeitschriften Federn lassen. Gruner + Jahrs "Brigitte" verkauft im 4. Quartal 2009 rund 5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und damit unter 700.000 Exemplaren - und das obwohl der Verlag die Bordexemplare um rund 11 Prozent auf satte 95.373 Stück ausgeweitet hat. Dafür machen die Sonstigen Verkäufe nur noch 26.187 Exemplare aus (minus 52,97 Prozent). Die ebenfalls 14-tägig erscheinende "Freundin" verliert rund 4 Prozent, obwohl auch hier die Bordexemplare leicht gestiegen sind. "Für Sie" aus dem Jahreszeitenverlag verkauft rund 3 Prozent weniger und damit noch 446.514 Stück.

Besser schlagen sich dagegen die monatlichen Titel. Allen voran MVGs "Cosmopolitan", bei der Chefredakteurin Petra Winter ein gutes Händchen beweist. Die verkaufte Aufalge ist um 15 Prozent auf 357.914 Stück gestiegen. Die Abos um 12 Prozent, der Einzelverkauf gar um knapp ein Drittel auf 176.355 Exemplare.

Burdas "Instyle" legt insgesamt um 8,71 Prozent zu auf 454.773 Stück. Das Plus im Einzelverkauf liegt bei fast 15 Prozent, im Abo bei über 9 Prozent. Darüber wird sich vor allem Patricia Riekel freuen, die in ihrem anderen großen Objekt, dem wöchentlichen Magazin "Bunte", einen Rückgang von insgesamt 8,66 Prozent hinnehmen muss und damit unter die Schwelle von 700.000 Exemplaren rutscht. Die Abos sinken um über 7 Prozent, der Einzelverkauf bleibt jedoch stabil. Die Bordexemplare hat Burda jedoch auch hier massiv um 40 Prozent auf 68.388 Stück reduziert.

Die publizistisch Modeikone, Condé Nasts "Vogue", kann um 4,6 Prozent auf 137.754 verkaufte Exemplare zulegen. Die Abos steigen um 7,06 Prozent, der Einzelverkauf um knapp ein Fünftel. Der seit Herbst amtierende Verlagschef Moritz von Laffert dürfte sich hier also wenig Sorgen machen. pap/se
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