IVW Detailzahlen: Tageszeitungen bleiben im Abwärtssog gefangen

Donnerstag, 20. Januar 2011
Das "Handelsblatt" schwächelt im Einzelverkauf
Das "Handelsblatt" schwächelt im Einzelverkauf

Die überregionalen Tageszeitungen beenden das Jahr 2010 mit einer schlechten Bilanz. Wie aus den Detailzahlen hervorgeht, die die IVW heute veröffentlicht hat, verlieren im 4. Quartal alle Titel in den harten Währungen Einzelverkauf und Abonnement mehr oder weniger deutlich. Am Kiosk wird das "Handelsblatt" am härtesten abgestraft. Die Wirtschaftstageszeitung muss einen dramatischen Rückgang von 23,5 Prozent hinnehmen und verkauft damit nur noch 5700 Exemplare. Die für den Titel relevantere Zahl der Abonnements sinkt um 4,5 Prozent auf 79.300. Damit fällt die Zwischenbilanz des im April neu angetretenen Chefredakteurs Gabor Steingart negativ aus - was ihn aber zumindest nach außen hin wenig zu stören scheint. "Wir schauen im Moment nicht so stark auf die Zahlen, sondern versuchen aus einer guten eine sehr gute Zeitung zu machen. Die Früchte dafür wird man später ernten", sagte er im Dezember in einem HORIZONT-Interview (Ausgabe 45/2010). Auch der Rivale "Financial Times Deutschland" muss Federn lassen: minus 5,5 Prozent der Abos und minus 7,2 Prozent im Einzelverkauft stehen hier zu Buche. Nur Dank einem Anstieg der Borexemplare und sonstigen Verkäufe hält sich der Titel noch über der magischen 100.000er Marke.

Die Axel-Springer-Zeitungen müssen einen Dämpfer einstecken. Das Flaggschiff "Bild" rutscht bei der verkauften Auflage erstmals unter die 3-Millionen-Marke. Im Einzelverkauf verliert der Titel fast 5 Prozent und kommt nur noch auf 2,8 Millionen Exemplare. Zwar gewinnt das Boulevardblatt 10 Prozent Abos hinzu. Da diese an der gesamten Auflage nur einen verschwindend geringen Anteil haben, ist das kein Trostpflaster. Das Doppel "Die Welt" und "Welt Kompakt, das nur zusammen ausgewiesen wird, hält sich bei den Abozahlen zumindest auf Vorjahresniveau (118.351 Exemplare). Am Kiosk geht es dagegen um ganze 10 Prozent abwärts (32.566 Exemplare).

Die "Frankfurter Rundschau" aus dem Kölner Verlag M. DuMont Schauberg kann zumindest am Kiosk punkten. Um 900 Exemplare steigt hier die Auflage. Dagegen kündigen jedoch 7600 Abonnenten. "Frankfurter Allgemeine" und "Süddeutsche Zeitung" verlieren in beiden Kategorien: die "FAZ" 1,3 Prozent der Abos und 4,8 Prozent im Einzelverkauf, der Münchner Titel 1 Prozent der Abos und 3,8 Prozent am Kiosk. Allein "Die Tageszeitung" kommt glimpflich davon. Sie hält sich nahezu stabil auf dem Niveau des Vorjahres. bn
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