IVW 4/2010: Nachrichtentitel verlieren deutlich / "Landlust" kratzt an 800.000er-Marke

Freitag, 14. Januar 2011
Überflieger im Zeitschriftenmarkt: "Landlust" kann erneut zulegen
Überflieger im Zeitschriftenmarkt: "Landlust" kann erneut zulegen

Und wächst und wächst und wächst... Der steile Auflagenanstieg der Zeitschrift "Landlust" aus dem Landwirtschaftsverlag in Münster ist nicht zu stoppen. Laut der aktuellen Erhebung der IVW hat der Titel im 4. Quartal 2010 erneut deutlich zugelegt. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist die verkaufte Auflage um 22 Prozent nach oben geklettert, sodass das Magazin nun bereits an der 800.000er-Marke kratzt. Nach Angaben des Verlags beträgt der Anteil der harten Auflage ganze 98 Prozent: im Einzelverkauf gewinnt "Landlust" knapp 74.000 Exemplare (plus 17 Prozent) und die Zahl der Abos stieg um 64.000 Hefte. Für den Hauptgeschäftsführer des Landwirtschaftsverlags Karl-Heinz-Bonny, der am kommenden Montag mit dem HORIZONT-Award als Medienmann des Jahres 2010 ausgezeichnet wird, ist das eine Bestätigung seiner Strategie: "Mit Landlust ist es uns nachhaltig gelungen, das Spektrum des Landwirtschaftsverlags zu erweitern." 2005 ist der Titel angetreten, um die Zielgruppe der Landfrauen zu gewinnen. Inzwischen liegt der Anteil der landwirtschaftlichen Bezieher bei weniger als 5 Prozent. Damit ist dem Fachverlag der Sprung in die Publikumsschiene und die Gründung eines neuen Zeitschriftensegments gelungen.

Die Rivalen von "Landlust" performen ebenfalls gut. Zwar ist ein direkter Vergleich zum Vorjahresquartal nicht möglich, da die Titel noch nicht lange genug von der IVW geprüft werden. Aber zumindest im Vergleich zum 3. Quartal 2010 lässt sich eine positive Bilanz ziehen. "Land Idee" (Land Idee Verlag) verbucht ein Plus von 12.800 Exemplaren (insgesamt 178.657 Hefte). "Mein schönes Land" (Hubert Burda Media) schafft mit einer Auflage von 192.000 Heften ein gelungenes IVW-Debüt. Offenbar gibt es in dem Segment, das durch die rasant steigende Zahl an Neugründungen in den letzten Monaten stark gewachsen ist, noch deutlich Luft nach oben.

Dagegen müssen alle Titel im viel beachteten Segment der Nachrichtenmagazine Federn lassen. "Der Spiegel" verliert 4 Prozent und landet mit 975.000 verkauften Heften erneut deutlich unter der Millionen-Marke. Der "Stern" verzeichnet einen Verlust von 2 Prozent und verkauft sich damit im 4. Quartal 877.000 Mal. Am härtesten trifft es wieder einmal Burdas Sorgenkind "Focus". Das Nachrichtenmagazin büßt 5 Prozent ein und kommt nur noch auf 551.000 Exemplare. Ein kleines Trostpflaster: Im 3. Quartal 2010 war das Minus mit 9,3 Prozent noch deutlich größer. Außerdem ist aus Verlagskreisen zu hören, dass immerhin beim Einzelverkauf zum ersten Mal seit langem ein stabiles Ergebnis erzielt wurde. Diese Zahlen werden erst mit der Detailauswertung der IVW in der kommenden Woche veröffentlicht.

Um endlich die Trendwende zu schaffen, geht Burda 2011 in die Offensive. Zum 18. Geburtstag von "Focus" senkt der Verlag den Copypreis von 3,50 Euro einmalig auf nur 1 Euro. Zudem startet mit dem Erscheinen der Jubiläumsausgabe am 17. Januar eine vertriebsorientierte Werbekampagne. Nach der Stabübergabe von Gründungschefredakteur Helmut Markwort an seine Nachfolger Wolfram Weimer und Uli Baur Mitte 2010 will Burda dem Führungsduo ein Jahr Zeit geben. Im Sommer 2011 soll der große Kassensturz folgen. Dann müssen sich die neuen Chefs auch intern an den Auflagenzahlen messen lassen und gegebenenfalls noch einmal ordentlich nachjustieren.

Nicht nur die Nachrichtetitel verzeichnen ein Minus, sondern auch im gesamten Segment der aktuellen Zeitschriften und Magazine geht es abwärts. Hier steht ein Rückgang von 3 Prozent zu Buche. Der größte Verlierer ist hier die People-Zeitschrift "OK!", deren Auflage um 18 Prozent sinkt (insgesamt 170.000 verkaufte Hefte), dicht gefolgt von den Rivalen "Intouch" (255.000 Exemplare) und "In - Das Star & Style Magazin" (188.000 Exemplare) mit jeweils minus 14 Prozent. Deutlich zulegen können unter den aktuellen Zeitschriften lediglich "View" (150.000 Exemplare) mit plus 4 Prozent und "Zeit Campus" (107.000 Exemplare) mit plus 5 Prozent.

Das Segment der Wirtschaftsmagazine muss leichte Einbußen hinnehmen: Insgesamt verlieren die Wirtschaftstitel knapp 1 Prozent ihrer Auflage. Die größten Verluste verzeichnen "Euro" mit einem heftigen Minus von 24,7 Prozent und "Euro am Sonntag" mit einem Minus von 20,7 Prozent. "Guter Rat" ist auch bei Burdas gleichnamigem Titel gefragt: Die Zeitschrift verliert 15,9 Prozent ihrer Auflage. Auch das "Manager Magazin" kommt nicht ungeschoren davon, die Auflage sinkt um 8,1 Prozent. "Capital" verzeichnet einen vergleichsweise geringen Rückgang von 3,3 Prozent, "Brand Eins" muss sich von 5,5 seiner Auflage verabschieden. Für einen Lichtblick in dem Segment sorgen "Der Handel" mit einem Plus von 89,2 Prozent.

Die Programmzeitschriften befinden sich weiterhin in der Abwärtsspirale. Hier manifestiert sich sehr stark das veränderte Mediennutzungsverhalten. Wer sich früher in den gedruckten Medien über das TV-Programm informiert hat, nutzt heute immer häufiger elektronische Programmführer oder Online-Angebote. Diese Entwicklung gewinnt an Fahrt und somit verringert sich die Auflage insgesamt um 3 Prozent. Unter den auflagenstärksten Titeln in dieser Printkategorie zeichnet sich ein uneinheitliches Bild ab. Während die Nummer 1 "TV14" (2,5 Millionen verkaufte Exemplare) 2 Prozent hinzugewinnt, hält sich der Zweitplatzierte "TV Digital" stabil auf dem Niveau des Vorjahresquartals (1,8 Millionen Exemplare) und "TV Spielfilm Plus" verliert ganze 8 Prozent (1,7 Millionen Hefte).

Auch bei den Jugendzeitschriften macht sich die Auflagenerosion erneut deutlich bemerkbar. Das Segment verliert 10 Prozent der Auflage. Der größte Verlierer ist "Bravo". Hier geht es um 23 Prozent auf 392.000 Hefte abwärts. bn 
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