IVW 3/2010: Nachrichtenmagazine im Minus / Landmagazine sorgen für Aufwind

Donnerstag, 14. Oktober 2010
Der "Focus" verliert weiter an Auflage
Der "Focus" verliert weiter an Auflage

Im 3. Quartal 2010 verlieren die Nachrichtenmagazine spürbar an Auflage. Besonders hart trifft es "Focus". Das Burda-Flaggschiff muss ein Minus von 9,3 Prozent im Vorjahresvergleich hinnehmen und verkauft nur noch 556.972 Exemplare. Damit hält die Talfahrt weiter an. Auch der "Spiegel", der im 2. Quartal erstmals unter die magische Schwelle von einer Million Exemplaren gerutscht war, verliert im Vorjahresvergleich. Die verkaufte Auflage geht um 3,1 Prozent zurück, liegt damit mit 1.012.872 Exemplaren aber wieder über der Millionen-Grenze. Gruner + Jahrs "Stern" kommt auf 904.734 Stück - 4,7 Prozent weniger als im 3. Quartal 2009.

Für den erneuten Auflagenrutsch bei "Focus" dürfte es im Wesentlichen zwei Gründe geben. Zum einen hat das Magazin im vergangenen Quartal lediglich ein Nutzwertthema auf dem Titel gehabt, im Vorjahreszeitraum waren es noch fünf. Darin zeigt sich bereits die Handschrift des Chefredakteur-Duos Uli Baur und Wolfram Weimer. Offiziell haben die beiden jedoch erst seit 1. Oktober das alleinige Sagen bei "Focus". Bis dahin war Gründer Helmut Markwort als Chefredakteur mit an Bord. Zum zweiten hat das Magazin die Abverkaufswerbung in den vergangenen beiden Quartalen komplett eingestellt, nachdem Burda im Vorjahr in diesem Zeitraum noch für jedes einzelne Heft getrommelt hatte. Ab kommender Woche soll die Werbung jedoch wieder anlaufen, auch wenn der Claim "Fakten, Fakten, Fakten", gerade auf dem Prüfstand steht und der Verlag nach einer neuen Agentur für das in die Jahre gekommene Magazin sucht.

Der "Spiegel" kann seine Spitzenposition behaupten, die Auflagenrückgänge begründet der Verlag mit reduzierten Bordexemplaren, Lesezirkel-Heften und sonstigen Verkäufen um circa 33.000 Exemplaren. Die Zahl der Abos beträgt nach Verlagsangaben 465.309 Stück, die der die Kioskverkäufe 380.683. "Die besonders erlösrelevanten Sparten Einzelverkauf und Abonnement liegen weiterhin auf Vorjahresniveau", sagt Thomas Hass, Leiter Vertriebsmarketing Spiegel-Verlag.

Insgesamt bleiben die Auflagen der Zeitschriften nahezu konstant. Absolut bedeutet das allerdings rund 2 Millionen weniger verkaufte Exemplare als im Vorjahreszeitraum. Ein Überblick über die Segmente:

People-Magazine: Das Bedürfnis nach Klatsch und Tratsch aus der Glamour-Welt scheint im 3. Quartal gesunken zu sein. Burdas Cash-Cow "Bunte" verliert 3,9 Prozent Auflage und landet bei 657.521 verkauften Stück.  Klambts "In" sowie Bauers  "Intouch" und "Life & Style" verlieren dagegen relativ deutlich Auflage. Das Minus liegt bei um die 14 Prozent. Damit rutscht das ganze Segment, zu dem auch die Nachrichtenmagazine zählen, um 3,7 Prozent ab.

Programmzeitschriften: Ebenfalls ungebrochen setzt sich die Talfahrt der Programmies fort. Wer früher in der Zeitschrift geblättert hat, informiert sich heute online oder via Elektronischem Programmführer über das Angebot. Der Trend verstärkt sich und sorgt dafür, dass die Auflagen insgesamt immer weiter sinken. In der aktuellen IVW liegt das Minus bei 3,7 Prozent. Mit insgesamt 16,56 Millionen verkauften Exemplaren, ist das Segment jedoch immer noch das mit Abstand größte in der Statistik.

Bei den im Zwei-Wochen-Takt erscheinenden Millionensellern musste "TV Spielfilm plus" aus Burdas Milchstraße mit zehn Prozent Rückgang besonders stark Federn lassen und verkaufte 1.649.158 Exemplare. Bauers "TV Movie" verliert 6,4 Prozent, Axel Springers "TV Digital" 4 Prozent. Zulegen können dagegen "TV Direkt" aus dem zur WAZ gehörenden Gong-Verlag um 5,6 Prozent und Bauers "TV 14" um 1,5 Prozent auf stolze 2,4 Millionen Exemplare. Der wöchentliche Programmie "Hörzu" von Springer verliert 2 Prozent und verkauft 1.390.520 Exemplare, "Auf einen Blick", ebenfalls von Bauer. gar 6,3 Prozent. Die Verkäufe betragen 1.196.199 Stück.

Frauenzeitschriften: Rückgänge müssen auch die Frauentitel hinnehmen. Die wöchentlichen Magazine verlieren insgesamt 5,2 Prozent. Auch Burdas dritte Cash-Cow, die "Freizeit Revue" liegt im Minus und zwar mit 5,3 Prozent, sie rutscht damit unter die Millionengrenze. Das größte prozentuale Minus müssen "Heim und Welt" mit 24,8 Prozent und 48.753 verkauften Stück hinnehmen sowie "Frau Aktuell" von der WAZ mit einem Rückgang von 20,9 Prozent auf 199.439 Exemplare. Deutlich im Plus liegt nur "Woche Heute" mit 8,7 Prozent plus und insgesamt 200.165 Stück.

Die hochauflagigen 14-tägigen Titel "Brigitte" (Gruner + Jahr), "Freundin" (Burda)  und "Für Sie" (Jahreszeiten-Verlag) liegen relativ konstant. Die monatlichen Frauenzeitschriften zählen dagegen unter dem Strich 3,6 Prozent weniger. Der größte Titel "Glamour" von Condé Nast verliert 2,2 Prozent, Burdas "Instyle" 5,9 Prozent und "Joy" hält mit 472.573 Exemplaren das Vorjahresnivau.

Kinder- und Jugendzeitschriften: Besonders gut läuft es bei den Zeitschriften, die die jungen Zielgruppen ins Visier nehmen. Die Strategie in hoher Taktzahl Magazine zu aktuellen Themen zu lancieren und in die Jahre gekommene Titel vom Markt zu nehmen wird zumindest von der Leserschaft honoriert. So hat zwar Platzhirsch "Bravo", Bauer, bei den Jugendzeitschriften 13,3 Prozent Auflage verloren. Insgesamt ist das Segment jedoch um 7,5 Prozent im Plus. Der Zuwachs geht vor allem auf Neustarts zurück. Allein "Das Haus Anubis", "Wickie und die starken Männer" (beide Panini) und Bauers "Twist" sind für eine Auflage von zusammen über 230.000 Stück gut. Noch höher ist das Plus mit 11,5 Prozent bei den Kindertiteln. Auch hier helfen Starts wie "Hannah Montana", "Geo Mini" (Gruner + JAhr) und "Filly Magazin" um die Auflage zu befeuern.

Wohn- und Gartenzeitschriften: Dieses Segment hilft den Verlagen ebenfalls, im Lesermarkt zu wachsen. Wie üblich führt "Landlust" aus dem Landwirtschaftsverlag das Segment in Sachen Wachstum mit 36,5 mehr Verkäufen an. Die Auflage klettert damit auf 749.655 Stück. Nachahmer "Landidee" von der WAZ ist erstmals in der IVW und zwar mit 165.815 Stück. Andere im letzten und diesem Jahr gelaunchte Konkurrenten wie zum Beispiel Burdas "Mein schönes Land" werden noch nicht erfasst. In den nächsten Quartalsstatistiken dürfte von diesen noch einiges für das Segment zu erwarten sein.

Wirtschaftsmagazine: Das Segment kann über alle Titel hinweg die Talfahrt stoppen und erzielt ein minimales Plus von 0,4 Prozent. Dafür ist allerdings vor allem "Der Handel" zuständig, der die Auflage von 41.115 Stück auf 70.334 Exemplare um 71.1 Prozent ausweiten kann. Das "Manager Magazin" aus dem Spiegel-Verlag liegt um 8,4 Prozent unter Vorjahr. Gruner + Jahrs "Capital" um 5,6 Prozent. Auch Burdas "Guter Rat" verliert 8,7 Prozent der Auflage.  pap

-
-
Meist gelesen
stats