I-D Media muss Insolvenz anmelden

Montag, 04. Mai 2009
Muss Insolvenz anmelden: I-D-Media-Vorstand Franz Klose
Muss Insolvenz anmelden: I-D-Media-Vorstand Franz Klose

Die börsennotierte Online-Agentur I-D Media ist zahlungsunfähig. Das Berliner Unternehmen wird daher am heutigen Montag einen Insolvenzantrag stellen. Trotz fortlaufender Restrukturierungsbemühungen sei es nicht gelungen, die "angespannte Liquiditätslage der Gesellschaft dauerhaft zu beseitigen", heißt es in einer Ad-hoc-Meldung. Da dies in der Öffentlichkeit bekannt sei, habe der Interactive-Spezialist bereits eine Auftragsstornierung und mehrere Absagen bei Angeboten hinnehmen müssen. Vorstand Franz Klose, der das Unternehmen seit dem letztjährigen Ausscheiden von CEO Regine Haschka-Helmer und Vorstand Christian Hufnagl alleine führt, will nun mit Hilfe eines Insolvenzverwalters alle bestehenden Aufträge "professionell und termingerecht" fortführen. Wie Klose HORIZONT.net mitteilte, gibt es bereits Interessenten, die an einer Fortführung des Geschäfts ernsthaft interessiert seien, allerdings mit einer neuen Struktur. Bislang war I-D-Media bei der Suche nach Investoren erfolglos gewesen. Die Tochtergesellschaften Medial in Köln und I-D Media in London seien von der finanziellen Schieflage der Berliner Mutter nicht betroffen.

Gleichzeitig gab die Agentur den Rücktritt des prominenten Aufsichtsratsmitglieds Bernd M. Michael bekannt. Die Position des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden soll möglichst schnell neu besetzt werden, um die Beschlussfähigkeit wieder herzustellen. 

Die finanziellen Probleme von I-D Media hatten 2007 begonnen, als der einstige New-Economy-Star die Kunden Deutsche Telekom und JTI verlor. In der Folge reduzierte sich der Umsatz um fast 43 Prozent auf 10,6 Millionen Euro. Allein der Verlust des Telekom-Etats verursachte einen Umsatzrückgang von 11,7 Millionen Euro. Am Ende stand ein Betriebsverlust von 10,42 Millionen Euro nach einem Gewinn von 2,88 Millionen Euro im Vorjahr.

2008 konnte der Abwärtstrend dank 30 neuer Kunden zwar gebremst, aber nicht gestoppt werden. Der Umsatz sank um weitere 17,4 Prozent auf 8,76 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter reduzierte sich um mehr als ein Viertel (26,5 Prozent) auf 105. Im Zuge dessen rutschte I-D Media im New Media Service Ranking vom 11. auf den 17. Platz ab. 2007 hatte das Unternehmen noch den 4. Rang belegt.

Die 2007 eingeleiteten Restrukturierungsbemühungen erlebten Ende März dieses Jahres einen Rückschlag, als die geplante Kapitalerhöhung durch Aktienausgabe scheiterte. Hauptaktionär von I-D Media ist derzeit die Investorengruppe Erster Privater Investmentclub Börsebius Zentral mit 23,46 Prozent der Anteile. Börsebius ist in ähnlicher Höhe (22,22 Prozent) am Berliner Internetdienstleister Pixelpark beteiligt, der wie I-D Media finanziell angeschlagen ist. Weitere I-D-Media-Aktionäre sind Lupus Alpha Investment mit 2,5 Prozent und Ampega Gerling Asset Management mit 1,11 Prozent. Der Rest befindet sich in Streubesitz. brö


Meist gelesen
stats