"Huffington Post"-CEO Jimmy Maymann: "Wir wollen in die Top 5 der Nachrichtenangebote vorstoßen"

Dienstag, 19. März 2013
Jimmy Maymann auf dem Digital Innovators Summit (Foto: Ole Bader / sandwichpicker)
Jimmy Maymann auf dem Digital Innovators Summit (Foto: Ole Bader / sandwichpicker)

2005 als Blog gestartet, steht die „Huffington Post“ inzwischen auf einer Stufe mit den etablierten Nachrichtenangeboten großer amerikanischer Medienhäuser. Mittlerweile hat das Portal Ableger in aller Welt, auch in Deutschland sucht das Unternehmen nach einem Partner. HORIZONT.NET sprach am Rande des VDZ Digital Innovators Summit mit CEO Jimmy Maymann über den Stand der Verhandlungen und seine Erwartungen an eine deutsche Ausgabe der „Huffington Post“. Interaktion ist Trumph: Das Erfolgsrezept der „Huffington Post“, die derzeit monatlich weltweit rund 70 Millionen Unique Visitors verzeichnet, besteht nach Ansicht von CEO Jimmy Maymann in der Einbeziehung der Leser: „Die 'Huffington Post' ist weniger eine Nachrichtenseite als eine Engagement-Plattform“, so Maymann auf dem VDZ Digital Innovators Summit. Rund 500 Reporter und Redakteure sowie mehr als 30.000 Blogger arbeiten für das Portal – sie steuern jeden Tag mehr als 1600 Geschichten bei. Auf diese Weise wird alle 58 Sekunden ein neuer Inhalt auf der Site kreiert. Um aus dieser Masse an Content auch immer die interessantesten Themen auf der Startseite zu haben, analysiert ein spezieller Algorithmus, welche Artikel am heißesten diskutiert oder am häufigsten geteilt werden.

Außerdem unterhält die „Huffington Post“ den Web-TV-Sender „HuffPost Live“, der an fünf Tagen in der Woche zwölf Stunden lang sendet. Auch hier können die Zuschauer direkt mit dem Angebot interagieren, etwa via Skype oder Google+. Seit „HuffPost Live“ auf Sendung ist, verzeichnete der Kanal mehr als 100 Millionen Views. Für weitere Reichweite sorgen Kooperationen mit dem US-Portal „Ted“ sowie der offiziellen Website von Star-Moderatorin Oprah Winfrey. Finanziert wird die „Huffington Post“ einzig aus Werbeeinnahmen.

Vor gut zwei Jahren begann das Medienhaus, sein Erfolgsrezept ins Ausland zu exportieren. Nach Kanada, Großbritannien, Frankreich und Italien soll nun auch Deutschland eine adaptierte Version der „Huffington Post“ bekommen. Doch die Verhandlungen mit infrage kommenden Partnern gestalteten sich bislang offenbar schwierig. In der vergangenen Woche ließ „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, derzeit bekanntlich für ein Forschungsprojekt im Silicon Valley tätig, mit einer interessanten News aufhorchen: Gerüchten zufolge sei Bertelsmann der Launchpartner für eine deutsche Ausgabe der „Huffington Post“, twitterte Diekmann. Abwegig wäre das nicht: Bertelsmanns Verlagstochter Gruner + Jahr soll bekanntlich gut 100 Millionen Euro für Akquisitionen im Digitalbereich investieren dürfen.

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"Richten uns an eine neue Zielgruppe": Jimmy Maymann (Foto: Ole Bader)
"Richten uns an eine neue Zielgruppe": Jimmy Maymann (Foto: Ole Bader)
Mr. Maymann, Kai Diekmann schrieb auf Twitter, dass Sie sich mit Bertelsmann geeinigt haben. Was ist da dran? Wir haben noch bei keinem Partnerunternehmen etwas unterschrieben, deshalb kann ich noch nicht darüber sprechen. Aber innerhalb der nächsten zwei Wochen wollen wir verkünden, mit wem wir zusammenarbeiten.

Ihre Partnersuche scheint ja nicht gerade einfach zu laufen, viele Verlage sollen abgewunken haben. Wenn wir in einen neuen Markt streben, sprechen wir möglichst mit allen großen Playern. Das haben wir auch hier getan. Aber wissen Sie, die Deutschen sind auf positive Weise gründlich. Deswegen haben die Verhandlungen etwas länger gedauert als geplant. Was ich sagen kann, ist, dass es sehr großes Interesse von den deutschen Verlagen gab. Vor einigen Wochen habe ich gelesen, hierzulande wolle kein Unternehmen mit uns zusammenarbeiten, das stimmt auf keinen Fall. Dass einige zögerlich sind, ist verständlich. Wir stellen uns ja nicht hin und sagen: Unser Modell ist das einzig richtige.

Wie würde die Arbeitsteilung mit dem deutschen Partnerunternehmen aussehen? Wir stellen die Technik zur Verfügung und stellen das Personal ein, damit das Projekt die DNA der 'Huffington Post' in sich trägt. Unser lokales Partnerunternehmen hilft uns bei Sales und Werbung und richtet zum Beispiel Marketing-Crosspromotions mit seinen bestehenden Partnern ein.

Was macht Sie so zuversichtlich, dass das Modell der „Huffington Post“ hierzulande funktioniert? Deutschland ist ein Markt mit großer Konkurrenz. Aber ich denke, dass wir den Menschen hier viel anzubieten haben. Wir lassen sie teilhaben. Das hat meiner Ansicht nach viel mit dem Zeitgeist zu tun: Die Menschen wollen heute nicht nur Konsumenten sein, sie wollen eine eigene Stimme haben. Besonders die jungen Leute haben die traditionelle Funktionsweise der Medien satt, wo man nicht ernst genommen wird, wenn man nicht 50 Jahre alt ist und einen Anzug trägt. Wir nehmen sie ernst. In den Märkten, in denen wir präsent sind, hat das auch sehr gut funktioniert.

Auch hier nutzen Medienhäuser zunehmend Social-Funktionen. Richtig, aber es ist nicht ihr traditionelles Geschäft. Es geht nicht nur darum, zu sagen: Wir integrieren jetzt soziale Komponenten. Es geht dabei auch viel um Technologie, die richtige Plattform und Messbarkeit, um dem Leser die richtige Erfahrung zu bieten. Bis zu einem gewissen Grad konkurrieren wir hier mit traditionellen Medien, aber gleichzeitig richten wir uns an eine ganz neue Zielgruppe.

Was sind Ihre Ziele für Deutschland? Wir wollen innerhalb von zwei Jahren Geld verdienen und nach drei bis fünf Jahren in die Top 5 der Nachrichtenangebote vorstoßen.

Das ist angesichts von Konkurrenzangeboten wie Bild.de oder Spiegel Online ein ambitioniertes Ziel. Ich sehe uns nicht so sehr in Konkurrenz zu Bild, sondern mehr zu "Stern", "Focus" oder "Spiegel". "Bild" macht etwas anderes als wir, auch wenn man das dort sicher anders sieht.

Werden Sie auch Paid Content anbieten? Wir werden zu hundert Prozent werbefinanziert sein. Ich glaube zwar sehr daran, dass Metered Models funktionieren werden. Aber noch denken wir nicht daran, weder für Deutschland noch irgendwo anders.

Welche Rolle bei der Internationalisierung spielt die Markenbekanntheit der „Huffington Post“ außerhalb der USA? Wenn wir eine Marktforschung außerhalb der Medienindustrie anstellen würden, wäre die Markenbekanntheit der "Huffington Post" sicherlich nicht so groß. Unter anderem deswegen suchen wir ja nach Partnern, die das Vertrauen der Kunden genießen und ihre Markenbekanntheit einbringen können.

Zu Ihrem Geschäftsmodell gehört, Nachrichten anderer Websites zu aggregieren. Was bedeutet die hiesige Debatte um das Leistungsschutzrecht für Ihren Deutschlandstart? Alles, was wir und unsere Blogger nicht selbst schreiben, kommt von Newsfeeds, für die wir bezahlen. Wir geben mehr als 2 Millionen Dollar pro Jahr dafür aus. Deswegen mache ich mir keine Sorgen, auch wenn es in Deutschland gerade eine ziemlich hitzige Diskussion um das Leistungsschutzrecht gibt. ire
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