"Hubert und Staller" im HORIZONT-Check: Zünftige Krimikost aus Oberbayern

Donnerstag, 03. November 2011
Helmfried von Lüttichau und Christian Tramitz als "Hubert und Staller"
Helmfried von Lüttichau und Christian Tramitz als "Hubert und Staller"


Geht doch: Man kann also auch noch regionale Krimis drehen, in denen tatsächlich Dialekt gesprochen wird. Insofern ist "Hubert und Staller" schon einmal eine löbliche Ausnahme in der ansonsten sprachlich glattgebügelten deutschen Krimilandschaft. Darüberhinaus überzeugte der gestern gestartete jüngste Ableger der neuen ARD-Krimireihe "Heiter bis tödlich" mit einem stimmigen Ensemble und viel Humor. Vielleicht liegt es daran, dass man im stolzen Bayern selbstverständlicher mit dem eigenen Dialekt umgeht als anderswo in der Republik. Zumindest dürfen die beiden Hauptfiguren der Serie nach Herzenslust granteln und fluchen, das es eine wahre Freude ist. Ob die Zuschauer jenseits des Weißwurstäquators der Handlung dabei immer folgen können, sei mal dahingestellt - der im idyllischen Voralpenland Bayerns angesiedelten Serie bekommt die sprachliche Authentizität jedenfalls äußerst gut.

Zum insgesamt positiven Gesamteindruck von "Hubert und Staller" tragen aber vor allem die beiden Hauptdarsteller Christian Tramitz und Helmfried von Lüttichau bei, die als bayerische Provinzpolizisten Franz Hubert und Johannes Staller von einem Kapitalverbrechen ins nächste stolpern. Das eingespielte Team - die beiden Schauspieler standen bereits für "Tramitz and Friends" gemeinsam vor der Kamera - haben durchaus das Zeug zum humoristischen Krimi-Dreamteam. Dabei sorgt erstaunlicherweise in erster Linie von Lüttichau als leicht trotteliger Polizeiobermeister Staller für die Lacher, während Tramitz, bekannt geworden vor allem als Partner von Michael "Bully" Herbig, als desillusionierter und meistens grantiger Hubert eher den ruhenden Pol des ungleichen Duos bildet.

In der ersten Folge leider noch etwas farblos blieb Monika Gruber als Lokaljournalistin Erika Hansen. Einen sehr gelungenen Gegenpol zu Tramitz und von Lüttichau bildet dagegen Michael Brandner als geltungssüchtiger neuer Polizeichef Reimund Girwidz, der aus dem Ruhrgebiet in die bayerische Provinz versetzt wurde. Die Konstellation verspricht für die Zukunft einige unterhaltsame Reibungspunkte.

Eher sekundär blieb in der ersten Folge der eigentliche Fall, der eher als Rahmenhandlung zur Entfaltung der Figuren diente - was bei dem hervorragenden Ensemble aber nicht weiter ins Gewicht fiel. Wenn man sich zu diesem frühen Zeitpunkt bereits auf eine Wette einlassen würde, welches Team von "Heiter bis tödlich" sich beim Publikum langfristig durchsetzen wird, käme Hubert und Staller sicherlich eine Favoritenrolle zu - auch wenn die Zuschauerzahlen der ersten Folge noch überschaubar waren: Mit 2,11 Millionen Zuschauer erzielte die erste Folge einen Marktanteil von 8,1 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen holten "Hubert und Staller" einen Marktanteil von 4,9 Prozent. Am sprachlichen Selbstbewusstsein seiner Darsteller wird es wohl hoffentlich nicht gelegen haben. dh
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