Hubert Burda zum Internet-Business: "Wir waren beknackt und bescheuert"

Donnerstag, 18. November 2010
Hubert Burda verteufelt die Abrechnung nach Klicks
Hubert Burda verteufelt die Abrechnung nach Klicks

Der Präsident ordnet die Reihen: Hubert Burda, Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), benennt die begangenen Fehler der Zunft mit deutlichen Worten - und warnt vor einer Wiederholung. "Wir waren beknackt und bescheuert, dass wir uns auf das Cost-per-Click-Abrechnungsmodell für Internetwerbung eingelassen haben", rief Burda in seiner Eröffnungsrede der VDZ-Zeitschriftentage in Berlin in die Reihen. Durch CpC-Bezahlung hätten die Verlage im Internet ihr Geschäftsmodell aufgegeben, das bis dato auf der Erzeugung von Aufmerksamkeit und Reichweite beruhte. Profitiert davon hätten nur Wiederverwerter, allen voran Google.

Die Verlage müssten sich ihrer Leistung bewusster werden und diese als geistiges Eigentum besser schützen (lassen); es folgten die bekannten Forderungen nach Leistungsschutzrechten, Transparenz bei Googles Suchalgorithmen ("Fair Search") und einer angemessenen Beteiligung der Verlage an den Werbeerlösen ("Fair Share"). Hier nannte Burda neben Google auch Apple: Bei den Preisvorstellungen zur Erlösaufteilung bei den Apps lägen Apple und die Verlage "noch weit auseinander". Und die selben Themen kommen nun auf Verlage und Fernsehsender beim Web-TV zu. Burda: "Das ist das nächste große Beef" - also das Stück Fleisch, um das es zu kämpfen gilt. Hier dürften die Medien die selben Fehler nicht noch einmal begehen.

Dabei sei ein gewisses Maß an Geschlossenheit der Printbranche nötig. "Wir dürfen uns nicht mehr gegenseitig so beißen", appellierte Burda. Ähnlich hatte sich zuvor auch VDZ-Geschäftsführer Wolfgang Fürstner geäußert. Wegen der "neuartigen Wettbewerber" müssten die Verlage mehr als bisher "gemeinsame Antworten geben", inklusive mehr Offenheit für Kooperationen. "Wir müssen auch am Konfliktmanagement arbeiten", sagte Fürstner. Ob er da die aktuellen Streitereien um Grosso-Fragen und die Anzeigen-Forschungsinitiative Ad Impact Monitor (AIM) meinte? rp
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