Holtzbrinck zieht vor das Kartellamt

Donnerstag, 14. Oktober 2004

Das Tauziehen um die Hoheit auf dem Berliner Zeitungsmarkt geht weiter: Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hat, wie angekündigt, vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Einspruch gegen die Entscheidung des Kartellamtes eingelegt. Die Bonner Behörde hatte den Stuttgartern am 2. Februar untersagt, den defizitären „Tagesspiegel“ an den ehemaligen Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens zu verkaufen.

Anlass für die Verkaufsbemühungen war eine frühere Entscheidung des Kartellamtes. Die Bonner wollten Holtzbrinck untersagen, sowohl die von Gruner + Jahr gekaufte „Berliner Zeitung“ als auch den „Tagesspiegel“ unter einem Dach zu führen. Kartellamtschef Ulf Böge fürchtete eine Übermacht im Anzeigenmarkt in dem Segment der Berliner Abo-Tageszeitungen. Dazu zählt nur noch Axel Springers „Berliner Morgenpost“. Daraufhin hatte Holtzbrinck versucht, den kleineren „Tagesspiegel“ zu verkaufen. Der Vertrag mit Gerckens sah jedoch eine Rückkauf-Option vor. Das Kartellamt untersagte daher auch diesen Verkauf, weil es annimmt, dass Gerckens als Strohmann dient.

Bei der Verhandlung am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf hat Holtzbrinck sich sowohl über die Strohmann-Vorwürfe, als auch über die Abgrenzung des relevanten Marktes beklagt. Im gesamten Berliner Zeitungsmarkt inklusive der ebenfalls von G+J übernommenen Kaufzeitungen „Berliner Kurier“ und Springers „BZ“ und „Bild“ kommt nämlich Springer bei den Anzeigen auf einen höheren Marktanteil. Holtzbrinck erwartete die Entscheidung am 27. Oktober. pap
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