Holtzbrinck droht mit Einstellung des "Tagesspiegel"

Dienstag, 22. April 2003

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hat mit der Einstellung des "Tagesspiegel" gedroht, falls die geplante Übernahme der "Berliner Zeitung" per Ministererlaubnis scheitert. Denn damit werde der Zeitung die letzte Perspektive genommen, wie Verleger Stefan von Holtzbrinck im Rahmen des am heutigen Dienstag angelaufenen Antragsverfahrens erklärt hat.

Die Verlagsgruppe verteidigt die bei Wirtschaftsminister Wolfgang Clement beantragte Ministererlaubnis zur Übernahme des Berliner Verlags zudem als "Teil des gesetzlich vorgesehenen Verfahrens". Es handele sich dabei keinesfalls um eine Sonderregelung, wie Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner es verstehe. Die Übernahme der "Berliner Zeitung" durch Holtzbrinck beeinträchtige zudem weder die "Berliner Morgenpost" noch die "Welt".

Auch nach Erteilung der Ministererlaubnis sei der Verlag Axel Springer mit den Titeln "Berliner Morgenpost", "B.Z.", "Bild-Berlin", "Die Welt", "Morgenpost am Sonntag", "B.Z. am Sonntag", "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" absoluter Marktführer im Leser- und Anzeigenmarkt, heißt es aus Stuttgart. Zudem seien "die jahrzehntelangen Ertragsprobleme der ,Welt' nicht Gegenstand dieses Verfahrens, da die ,Welt' eine überregionale Zeitung ist, die über 90 Prozent ihrer Auflage außerhalb Berlins verbreitet".

Springer-Vorstandschef hatte in einem Brief an Wirtschaftsminister Clement angedroht, "Die Welt" einstellen zu müssen, falls die Übernahme der "Berliner Zeitung" (Gruner + Jahr) durch Holtzbrinck mit einer Ministererlaubnis zustande käme. Holtzbrinck plant, den "Tagesspiegel" und die "Berliner Zeitung" nach der Übernahme in den Bereichen Einkauf, Verkauf und Verwaltung zu fusionieren. Die Redaktionen der beiden Blätter sollen unabhängig bleiben. ra
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