Hohe Wertschätzung: Axel Springer hält WAZ-Gruppe für "nicht marktgerecht" taxiert

Donnerstag, 20. Oktober 2011
Behält die WAZ-Gruppe im Visier: Springer-Chef Mathias Döpfner
Behält die WAZ-Gruppe im Visier: Springer-Chef Mathias Döpfner


Sidekick: Axel Springer erhöht die Lautstärke seiner kommunikativen Begleitung der Verkaufsverhandlungen innerhalb der WAZ-Gruppe. Und teilt von außen nun offiziell mit, dass man die bisherige Bewertung des WAZ-Konzerns für "nicht marktgerecht" - gemeint ist offenbar: für zu niedrig - halte. Bislang hat die interessierte Öffentlichkeit dies nur durch Briefe und Telefonate von Springer-Chef Mathias Döpfner an die und mit den WAZ-Eignern erfahren, deren Inhalte dem "Manager Magazin" zugespielt wurden.
Danach hatte Döpfner den Wert der WAZ-Gruppe Ende September auf 1,4 Milliarden Euro taxiert, verbunden mit Kaufgeboten. Springer bestätigte ein unverbindliches Interesse an Teilen der WAZ-Gruppe, während die Berliner sonst „Marktgerüchte" meist gar nicht kommentieren. Dann hat Döpfner offenbar noch einmal nachgerechnet - und schätzt die WAZ-Gruppe nun sogar auf 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro, laut „Manager Magazin".

Jetzt nimmt Springer Gerüchte in eigener Sache wahr, wonach man ein Übernahmeangebot für die WAZ-Gruppe abgegeben habe, und dementiert dies mit humorigen Worten („so viel Wahrheitsgehalt wie die berühmte Spinne in der Yucca-Palme"). Und dann, bezogen auf die vermeintlich vertraulichen Briefe und Telefonate des CEO: „Wir haben uns lediglich zur Bewertung der gesamten [WAZ-] Gruppe geäußert, die wir für nicht marktgerecht halten", so Springer-Sprecherin Edda Fels via Pressemitteilung.

-
-

Interessant: In derselben Erklärung bestätigt Springer, „seit vielen Jahren" Gespräche mit WAZ-Managern zur Übernahme der Beteiligung an den Online-Aktivitäten (Markt-Gruppe), dem WAZ-Anteil an der österreichischen „Krone" sowie den Programmheften („Gong", „Bild + Funk") zu führen. Im Zusammenhang mit den Verkaufsplänen innerhalb der WAZ-Gesellschafter habe man das Interesse daran erneuert.

Doch warum das quasi-öffentliche Zahlenjonglieren? Vielleicht ja deshalb: Springers Offerte platzt hinein in die komplizierten internen Verhandlungen zwischen beiden paritätischen WAZ-Gesellschaftern, den Erbenfamilien Brost und Funke. Zur Erinnerung: Petra Grotkamp aus dem Funke-Clan will den Brost-Erben deren Verlagshälfte für 470 Millionen Euro abkaufen. Grotkamp geht also von einem Konzern-Gesamtwert von 940 Millionen Euro aus. Döpfner taxierte den Wert indes von außen keck 50 Prozent höher - und nun sogar fast doppelt so hoch. Den Brost-Erben dürften Döpfners Vorstöße höchst gelegen kommen, könnten sie doch ihren Veräußerungserlös hochtreiben.

Dies könnte auch Springer nutzen, denn wenn Grotkamp (die Springers Angebot für sich bereits zurückgewiesen hat) mehr zahlen müsste, entzöge das dem Wettbewerber Liquidität - und würde vielleicht dessen Bereitschaft steigern, Teile des Konzerns zu veräußern. Zum Beispiel jene Teile, die Springer interessieren und für die Döpfner zunächst 800 Millionen Euro und nun eventuell noch mehr bietet, natürlich alles ganz unverbindlich. Und wenn sich die Altgesellschafter stattdessen nun weiter gegenseitig blockieren - und damit auch die strategische Entwicklung der WAZ? Auch gut für den Konkurrenten Springer.

Laut „Manager Magazin" stützt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die vermeintlich zu niedrige Grotkamp-Bewertung. Die Brost-Seite habe nun Pricewaterhouse-Coopers mit einem weiteren Gutachten beauftragt. Und dabei dürfte Springers freundliche Wertschätzung sicherlich etwas Auftrieb geben. rp
Meist gelesen
stats