Hörfunk: Die Vorteile des Nebenbei-Mediums

Mittwoch, 05. September 2012
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Reichweiten, Tausend-Kontakt-Preise, Abverkaufszahlen - Studien rund um Hörfunk sind oft von Zahlen geprägt. Doch das Medium erschließt sich nicht nur in Ziffern, es hat auch eine Gefühlsebene: „Radio bringt uns häufig in eine emotionale Grundstimmung", sagt Stephan Grünewald, Geschäftsführer Rheingold Institut in Köln. Diesen emotionalen Eindrücken und dem damit verbundenen werblichen Potenzial hat das Marktforschungsinstitut mittels einer intermedialen Wirkungsanalyse nachgespürt.
Die gemeinsamen Auftraggeber: AS&S Radio, RMS und die Plattform Radiozentrale. Als Ausgangssituation dienten den Forschern unterschiedliche Grundspannungen: Momente, in denen Hörfunk einen begleitendenden Klangteppich liefert, Augenblicke, in denen er durch Wiedererkennen Sicherheit vermittelt, Zeiten, in denen das Radio für Struktur im Alltag sorgt. Eines der Ergebnisse: Radiohörer sind ihrem Sender extrem treu. Der Stammsender erfüllt individuelle psychologische Grundanforderungen, wird doch einmal umgeschaltet, dann am ehesten zum momentanen Finetuning. Eine Erkenntnis, die oft im Zusammenhang mit Radio erwähnt wird, fanden die Forscher außerdem bestätigt: Radio ist ein Nebenbei-Medium. Weil es diese Rolle aber akzeptiert hat und beherrscht, funktioniert es als eine Art begleitender Soundtrack des Tages. Mal weckend, mal einschläfernd, dann wieder erhebend oder beruhigend. „Weil Radiowerbung so gut eingebettet ist in diesen Lebensfluss, wirkt sie so gut", erklärt Rheingold-Geschäftsführer Grünewald. Nicht von ungefähr daher der Name der Studie: „Radio macht glücklich."

Radio - Tageszeitung

Mit einer Zeitung in der Hand signalisiert der morgendliche Leser deutlich: „Lass mich in Ruhe." Das Printprodukt kann Objekt der Abschottung sein, persönliche Kommunikation ist in solchen Situationen nicht erwünscht. Zu sehr erfordert die Zeitung die Konzentration. Die gleichzeitige Nutzung von Radio ist aus Sicht der Rheingold-Forscher hingegen keine Konkurrenz, sondern Ergänzung: Das Radioprogramm übernimmt den Teil der Kommunikation, den der Leser nicht leisten möchte. Ähnlich sind sich beide Medien bezüglich der inhaltlichen Kompetenz: Beiden wird großes Vertrauen in die Berichterstattung zugesprochen. Allerdings ist die Tageszeitung dabei im zeitlichen Nachteil, während Radio die Möglichkeit zur Aktualisierung hat.

Radio - TV

In Augenblicken der Stille wird gerne einmal der Fernseher angeschaltet - oder aber das Radio. Im Vergleich zum TV-Gerät ist Radio allerdings das zurückhaltendere Medium. Der Fernseher verlangt, schon aufgrund der Bilder, mehr Aufmerksamkeit vom Konsumenten. Radio dagegen läuft im Hintergrund. Der Klangteppich begleitet, auch wenn die Räume gewechselt werden, er sorgt für psychologische Unterstützung bei den nebenher ausgeführten Tätigkeiten und verursacht kein schlechtes Gewissen: Das schamhafte Bekenntnis nach dem Motto „Ich habe wieder den ganzen Tag lang Radio gehört" wird wohl kaum einem Hörer über die Lippen kommen.

Radio - Internet

Das Internet als Konkurrent für Hörfunk - je mehr Smartphones und Tablets im Markt sind, desto größer wird die Gefahr für den Klassiker. Einerseits. Andererseits ermöglichen gerade die internetfähigen Geräte die zusätzliche Verbreitung von Angeboten. In Bus und Bahn, im Park und auf der Straße ist Radiohören heute möglich, wo es höfliche Bürger zumindest bislang nicht taten. Im Vergleich zu Nutzungssituationen des Internet,wie beispielsweise Social-Media-Anwendungen, hat Radio einen Vorteil: Ersters fordert Aktivität, Letzteres funktioniert auch passiv. son
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