Hochspringerin Ariane Friedrich outet vermeintlichen Stalker bei Facebook

Montag, 23. April 2012
Ariane Friedrichs Facebook-Profil ächzt unter den tausenden Reaktion auf das Outing eines Stalkers
Ariane Friedrichs Facebook-Profil ächzt unter den tausenden Reaktion auf das Outing eines Stalkers


Ariane Friedrich war in den vergangenen Jahren die beste Hochspringerin Deutschlands - aktuell sorgt die 28-Jährige Frankfurterin jedoch nicht mit spektakulären Höhenflügen für Schlagzeilen: Friedrich outete auf ihrem Facebook-Profil einen Mann namentlich, der ihr anzügliche Mails geschickt hatte. Dafür bekommt sie viel Unterstützung - aber auch Kritik. Das Maß schien voll: "Ich wurde in der Vergangenheit beleidigt, sexuell belästigt und einen Stalker hatte ich auch schon. Es ist Zeit, zu handeln, es ist Zeit, mich zu wehren. Und das tue ich. Nicht mehr und nicht weniger", postete Friedrich am vergangenen Samstag. Bereits fünf Tage zuvor hatte sie in einem öffentlichen Posting den Namen und den Wohnort eines Mannes veröffentlicht, der Friedrich per Mail ein Foto seines Geschlechtsteils geschickt haben soll.

Seitdem hatte die Sportlerin auf das Outing rund 400 Kommentare erhalten. Viele User pflichten Friedrich in ihrer Kritik bei, andere halten die Veröffentlichung von sensiblen persönlichen Daten für falsch - selbst wenn es sich um einen vermeintlichen Stalker handelt. Nicht wenige fragen sich auch, ob die Outing-Aktion überhaupt rechtens war.

Das Pikante an der Situation: Friedrich ist Polizeikommissarin im Revier Darmstadt. Nach eigener Aussage hat sich Friedrich nicht strafbar gemacht. "Aber genau das Herausnehmen aus der Anonymität ist meines Erachtens ein Mittel, um zu verdeutlichen, dass ich bereit bin, aktiv zu handeln und dass ich eben nicht mehr solche Sachen überlese und mich im Stillen mehr als darüber ärgere", so die Hessin.

Rechtsanwalt Thomas Schwenke kritisiert Friedrichs Verhalten
Rechtsanwalt Thomas Schwenke kritisiert Friedrichs Verhalten
Ganz so einfach ist es aber offenbar nicht, meint zumindest Rechtsanwalt Thomas Schwenke: Aus menschlicher Sicht sei Friedrichs Reaktion nachvollziehbar, rechtlich jedoch unzulässig. "Frau Friedrich könnte wegen Beleidigung und übler Nachrede strafrechtlich belangt werden", so der Partner bei der Berliner Kanzlei Schwenke & Dramburg gegenüber HORIZONT.NET. Zwar habe der Beschuldigte sich damit, eine anzügliche Mail und ein ebensolches Foto an Friedrich zu senden, wegen Beleidigung ebenfalls strafbar gemacht. Die Nennung von Namen und Wohnort durch die Sportlerin sei allerdings ein Fall von Bloßstellung und Ehrverletzung. Nur in Notwehr wäre Friedrichs Verhalten gerechtfertigt gewesen.

Friedrichs Trainer und Manager Günter Eisinger ist der Rummel um seinen Schützling, der sich derzeit in der Vorbereitung für die Olympischen Spiele befindet, gar nicht recht: Das Thema habe nichts mit der Öffentlichkeit zu tun, man könne aufgrund des intensiven Traings "keine Stressfaktoren gebrauchen", zitiert "Spiegel Online" Eisinger. ire
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