"Hochnotpeinlich": Kritik zerreißt Sommershow von "Wetten, dass ..?"

Montag, 10. Juni 2013
Stefan Raab mochte irgendwann gar nicht mehr hinschauen (Foto: ZDF/Baumann)
Stefan Raab mochte irgendwann gar nicht mehr hinschauen (Foto: ZDF/Baumann)


Die Sommerausgabe von "Wetten, dass ..?" markierte eigentlich immer einen Höhepunkt in der Show-Saison. Doch in diesem Jahr sorgte die Sendung aus der Stierkampf-Arena von Palma de Mallorca gleich in mehrfacher Hinsicht für neue Tiefpunkte: Nicht nur die Zuschauerzahl fiel auf einen neuen Minusrekord, auch das Niveau erreichte neue Untiefen. Vor allem Moderator Markus Lanz steht mehr als je zuvor im Sperrfeuer der Kritik.
Wenn sich selbst jemand wie Stefan Raab peinlich berührt abwendet, dann will das schon etwas heißen. Als sich Hollywood-Star Gerard Butler einen Kübel Eiswürfel in die Hose kippen und dabei den "Erlkönig" rezitieren sollte, mochte Raab gar nicht mehr hinsehen. "Ich wollte nur kurz sagen, ich bin hier nur Gast in der Sendung", betonte der Pro-Sieben-Showmaster. Nachdem man zuletzt gehofft hatte, Lanz würde nach dem Desaster mit Tom Hanks und der Katzenmütze endlich die Kurve kriegen, war erneut Fremdschämen angesagt. Die Gags des Moderators zündeten nicht, im Gegenteil. "Scherze wie auf einer Klassenfahrt" kommentierte Spiegel Online Lanz' Humor.

Am Ende halfen auch gelungene Wetten und fast 600.000 Euro an Spendengeldern für die Opfer der Flutkatastrophe nicht über den mehr als durchwachsenen Eindruck hinweg, den die jüngste Ausgabe von "Wetten, dass ...?" hinterließ. Auch die Kritik ließ kein gutes Haar an der jüngsten Ausgabe der Show: "Hochnotpeinlich" fand etwa Spiegel Online, was Lanz in Mallorca ablieferte, für Stern.de war die Sendung sogar "der reinste Horror".

Viel schlimmer als die beißende Kritik dürfte für das ZDF allerdings die Zuschauerzahl sein, die auf einen neuen Tiefpunkt fiel: Erstmals versammelte die Show weniger als 7 Millionen vor den Fernsehschirmen. Mit insgesamt 6,74 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 28,4 Prozent war die Show zwar mit Abstand die meistgesehene Sendung am Samstag - die letzte Sommerausgabe mit Thomas Gottschalk hatte allerdings noch fast doppelt so viele Zuschauer vor die Fernsehgeräte gelockt. dh

Ausgewählte Pressestimmen zu "Wetten, dass ...?"

Spiegel Online

"Für einen so betont maskulinen Moderator wie Markus Lanz hätte ein so betont maskuliner Ort wie die Stierkampfarena eigentlich ideal sein müssen. Stattdessen war sein Auftritt von einer Qualität, die Engländer, deren Abwesenheit Lanz - wir sind in Mallorca! - mehrfach triumphal betonte, als "cringeworthy" bezeichnen würden, was mit "hochnotpeinlich" nur unzureichend übersetzt ist. Man krümmte sich nicht vor Lachen, sondern unter Schmerzen."

Stern.de

"Diese Sendung ist der reinste Horror. Ein Horror der Hänger und Hangeleien. Dauernd wird irgendetwas erklärt, dauernd wird irgendwohin gelatscht. Von der Couch zur Wette, von der Wette zur Couch, meterweit, minutenlang. In der Zeit allein, in der sich die Prominenten jedes Mal ausführlich zur Begrüßung gegenseitig auf den Rücken klopfen, sind bei Raab schon fünf Wok-Fahrer den Kanal runtergerutscht."

Bild.de (präsentiert sogar "die schlimmsten Momente von 'Wetten, dass ...?'")

"Es war einmal eine große deutsche TV-Show. Und weil dort viele Promis zu Gast waren, die Sprüche locker und die Unterhaltung gut war, schalteten über Jahrzehnte viele Millionen Zuschauer ein. Doch dann wurde es irgendwie richtig peinlich."

Welt Online

"Die größte Katastrophe für Markus Lanz aber war, dass Stefan Raab zugesagt hatte. Denn in den ersten 20 Minuten war klar, wie 'Wetten, dass ..?' laufen müsste. Es braucht einen schlagfertigen, frechen und lässigen Entertainer, der die Wetten am liebsten gleich selbst ausführen würde. Der seinen Wettkandidaten hinterher kameradschaftlich umarmt.

Da sitzt plötzlich einer, der es kann. Der selbstironische Raab freilich ist nur erschienen, um seine neue Erfindung einen Duschkopf zu promoten. Aber gleich zu Anfang macht er mit seinem bissigen Humor klar, wer der Chef in der Stierkampfarena zu Palma de Mallorca ist."
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