Herbert Zelzer steigt bei Online-Prospektportal Marktjagd ein

Donnerstag, 10. November 2011
Herbert Zelzer
Herbert Zelzer

Zeitungshäuser sichern sich zusehends Einfluss auf Online-Prospektportale, die bis vor kurzem noch als ihr größter Schrecken galten. Nachdem Axel Springer im März die Mehrheit an Kaufda erworben hat und kürzlich die Essener WAZ-Gruppe, Madsack sowie die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) bei Mein Prospekt eingestiegen sind, engagiert sich nun erstmals ein Anzeigenblattverlag bei einem digitalen Prospektservice: Ende Oktober hat die Verlagsgruppe Wochenblatt aus Landshut fünf Prozent an Marktjagd übernommen. Das Unternehmen aus Dresden gilt nach Kaufda und Mein Prospekt als Nummer drei im Markt. An ihm sind neben der Wochenblatt-Gruppe und den Gründern Jan Großmann und Thomas Harzer fünf Verzeichnisverlage beteiligt, darunter Müller Medien (Oschmann), der Carl Hinnerwisch Verlag (Ippen) und Heise Medien. Das Quintett hält über die Nürnberger Holding MJP mit 52 Prozent die Mehrheit an Marktjagd.

Die digitalen Prospektservices machen Angebotswerbung des Handels mittels Targeting lokal im Netz auffindbar und erreichen zunehmend auch Nutzer über mobile Endgeräte. Das macht sie zu einer Konkurrenz für Tages- und Anzeigenzeitungen, die gedruckten Beilagen und Prospekte in die Briefkästen stecken und damit einen Großteil ihres Gewinns erwirtschaften.

Marktjagd gilt nach Kaufda und Mein Prospekt als Nummer drei im Markt.
Marktjagd gilt nach Kaufda und Mein Prospekt als Nummer drei im Markt.
Mit dem Einstieg bei den Online-Rivalen wollen sich die Verlage den digitalen Verteilweg sichern und ihren Handelskunden Paketlösungen für Print und Online anbieten. Auch die Landshuter Wochenblatt-Gruppe verfolgt dieses Ziel. "Wir sehen Marktjagd als technologisch führenden Anbieter und halten die Gesellschafterstruktur für seriös, potent und vertrauenswürdig", betont Wochenblatt-Verleger Herbert Zelzer.

Mit dem Einstieg will er sich den Zugriff auf das Know-how des Anbieters sichern und die Digital-Kompetenz seines Verlags steigern. Marktjagd selbst könnte sich laut Zelzer zu einem Anbieter weiterentwickeln, der die ganze Palette vom Prospekt über die Produktinformation und Bestellung bis zur Auslieferung aus einer Hand anbietet.

Zunächst konzentriert sich das Start-Up mit seinen 20 Mitarbeitern darauf, weitere Verlage und regionale Medien als Kooperationspartner zu gewinnen. Sie können ohne gesellschaftsrechtliche Beteiligung die Reichweite und Technikkompetenz von Marktjagd nutzen und seine Leistungen auch im eigenen Namen vermarkten. Mit solchen White-Label-Lösungen grenzt sich Marktjagd von seinen Konkurrenten ab.

Mein Prospekt könnte ab 2013 aber nachziehen und ist laut Geschäftsführer Ali Uluileri schon heute bereit, den ein oder anderen mittelgroßen Verlage als Kooperationspartner aufzunehmen. Marktjagd-Chef Großmann wird in Kürze die ersten Verlage anbinden und ist bestrebt, seine Reichweite über Kooperationen mit DasOertliche.de, Falk, Billiger.de oder Internet-TV-Angeboten zu steigern. Händler lockt der Anbieter mit Flatrates; sie zahlen für jede angebundene Filiale einen fixen Preis und erhalten Mengenrabatte. gui
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