Henri-Nannen-Preis: "Stern"-Chef Osterkorn weist Forderungen des Netzwerks Recherche zurück

Dienstag, 15. Mai 2012
"Stern"-Chef Thomas Osterkorn hält Vorjury aus Fachleuten für ausreichend
"Stern"-Chef Thomas Osterkorn hält Vorjury aus Fachleuten für ausreichend

Der Eklat bei der diesjährigen Verleihung des Henri-Nannen-Preises schlägt weiter hohe Wellen. Nach der Kritik des Netzwerks Recherche an der Jury der renommierten Auszeichnung meldet sich jetzt Thomas Osterkorn zu Wort. Der "Stern"-Chefredakteur, der selbst Mitglied der Hauptjury des Henri Nannen Preises 2012 war, weist die Kritik des Netzwerks Recherche als unlogisch zurück. Das Netzwerk Recherche hatte am Wochenende mit der Aussage, der Henri-Nannen-Jury fehle "ein klares Verständnis für die journalistischen Kriterien", Hans Leyendecker den Rücken gestärkt. Der für seine investigativen Recherchen bekannte Journalist der "Süddeutschen Zeitung" hatte zuvor wie berichtet bei der Gala am Freitagabend den Preis in der Kategorie "Investigative Recherche" abgelehnt, da er nicht gemeinsam mit der "Bild"-Zeitung ausgezeichnet werden wollte. Diese Entscheidung nahm das Netzwerk Recherche zum Anlass, eine Änderung der Entscheidungsfindung für den Henri-Nannen-Preis zu fordern - und zwar in der Gestalt, dass auch in der Hauptjury Fachleute mehr Einfluss bekommen sollen.

"Stern"-Chefredakteur Osterkorn kann diese Kritik nicht nachvollziehen. "Gerade wegen der Komplexität der investigativen Recherche gibt es eine eigene Vorjury mit erfahrenen Kollegen", so Osterkorn. Die Verwunderung bei G+J ist vor allem auch deshalb groß, weil dieser Vorjury neben dem Leiter der Henri Nannen Schule, Andreas Wolfers, und Karl Guenther Barth vom "Hamburger Abendblatt" auch ein langjähriges Netzwerk-Recherche-Mitglied angehörte - nämlich Kuno Haberbusch vom NDR.

Diese Vorjury habe nach definierten Kriterien aus 48 Arbeiten sechs für die Endjury ausgewählt, darunter auch die Story der "Bild"-Zeitung. "Was in der Vorjury als preiswürdig erachtet wurde, kann in der Endjury eigentlich nicht grundsätzlich falsch sein", stellt Osterkorn klar - und weist die Forderung nach einem Umbau der Hauptjury somit zurück. mas
Meist gelesen
stats