Helmut Heinen: "Schmerzliche Einbußen im Anzeigenbereich"

Dienstag, 31. Juli 2012
"Müssen weiblicher und jünger werden": BDZV-Präsident Helmut Heinen
"Müssen weiblicher und jünger werden": BDZV-Präsident Helmut Heinen


BDZV-Präsident Helmut Heinen rechnet trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Zeitungsverlage nicht mit einem Zeitungssterben in Deutschland. Die Zeitungen müssten sich aber verstärkt einem jüngeren und weiblicheren Publikum zuwenden. Im Anzeigenmarkt hätten die Verlage schmerzliche Einbußen erlitten. Im Streit um die Tagesschau-App liegt der Ball nach Ansicht des Verlegers bei den Öffentlich-Rechtlichen. "Wir haben auch teilweise schmerzliche Einbußen im Anzeigenbereich, vor allem bei Großkunden", räumt der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen" ein. Das erste Halbjahr habe insgesamt unter ungünstigen Vorzeichen gestanden, "aber es kann sich im Herbst positiv drehen". Mit einem Zeitungssterben rechnten der Verleger der "Kölnischen Rundschau" aber nicht. Angesprochen auf die angespannte Lage zum Beispiel bei der "Frankfurter Rundschau" oder der "Financial Times Deutschland" sagte Heinen: "Bislang haben sich immer Verlage gefunden, die hoffte, das Blatt zum Besseren zu wenden, und die Zeitung gekauft haben. Das erwartet ich auch für die Zukunft." Der Verleger rechnet zudem mit einer Konsolidierung der Branche.

Allerdings räumt Heinen auch ein, dass viele Zeitungen ein Poblem mit der Alterstruktur ihrer Leser haben: "Es wird schwerer, jüngere Menschen als Käufer zu finden." Eine Möglichkeit, um auch für junge Leser wieder relevanter zu werden, sei eine stärkere Ausrichtung auf regionale Themen und Nutzwert. "Im Sinne unserer Leser müssen wir weiblicher, jünger und verständlicher werden", fordert Heinen.

Im Internet setzt auch Heinen seine Hoffnung auf Paid Content: "Es wird weiter in Richtung Bezahlinhalte gehen", ist sich Heinen sicher. Bei der "Kölnischen Rundschau" habe man in drei Monaten "einige Hundert" digitale Abonnenten erreicht. "Wir sind optimistisch, weil wir dabei relativ gute Preise nehmen."

Im Streit  um die Tagesschau-App der ARD zeigt sich der BDZV-Präsident auch weiterhin an einer gütlichen Einigung interessiert, sieht aber die Öffentlich-Rechtlichen am Zug: "ARD und ZDF müssen sich rühren. Wir sind zu Verhandlungen bereit - aber nicht zu Verhandlungen um der Verhandlung willen." Die bereits ausgehandelte Gemeinsame Erklärung liege weiterhin auf dem Tisch: "Wir müssen nur diese ausgehandelte Version unterschreiben. Aber die andere Seite will nicht." dh
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