"Health & Fitness" und "Men's Fitness": Keine echte Konkurrenz für etablierte Lifestyle-Titel

Mittwoch, 29. September 2010
"Health & Fitness": Den Leser mit Promi-Themen zum Kauf animieren
"Health & Fitness": Den Leser mit Promi-Themen zum Kauf animieren

Das internationale Medienhaus Ultimate Guide Media möchte mit zwei Fitness-Magazinen nun auch den deutschen Zeitschriftenmarkt erobern: "Health & Fitness" und "Men’s Fitness" sollen die etablierten Lifestyle-Titel in Bedrängnis bringen. Problematisch: Die Artikel sind zum Großteil vom englischen Muttermedium übernommen, das Layout ist wenig einheitlich, die Grenzen zwischen Anzeigen und redaktionellem Text sind manchmal nur schwer zu bemerken. "Health & Fitness" richtet sich – ähnlich wie "Shape" (MVG Media) – an Frauen zwischen 25 und 40 Jahren. In England ist das Magazin bereits seit 1983 auf dem Markt und die deutsche Ausgabe bedient sich kräftig beim Original. Laut Oliver Bloss, Chefredakteur der "Men’s Fitness", werden bei beiden Magazinen aus dem Hause Ultimate Guide Media etwa 70 Prozent des Inhaltes von der englischen Redaktion übernommen, lediglich 30 Prozent stammen aus der Hamburger Redaktion. "Health & Fitness" gliedert sich in die sechs Rubriken Shape up, Ernährung, Gesundheit, Gym Style, Lebenslust und Features. Damit der Promi-Faktor nicht zu kurz kommt, erzählt "Spice Girl" Mel B von ihrem Workout und die Leserin bekommt Tipps, wie sie sich "Beine wie Heidi Klum" oder einen "Po wie Beyoncé" antrainieren kann.

Ähnliche Covergestaltung: "Men's Fitness" erinnert stark an "Men's Health"
Ähnliche Covergestaltung: "Men's Fitness" erinnert stark an "Men's Health"
Ähnlich verhält es sich bei dem Magazin "Men’s Fitness", bei dem das Cover in Design und Farbgebung stark an das Konkurrenzblatt "Men’s Health" erinnert: Auch hier setzt man auf Storys mit prominenten Protagonisten, es werden die Trainingsprogramme von Schauspieler Jake Gyllenhall und Model Marcus Schenkenberg vorgestellt. Die großen Themenbereiche der Männerzeitschrift sind Expertentipps, Ausstattung, Features, Muskelaufbau, Abnehmen und Workout. 

Durch die Übernahme der meisten Artikel aus den englischen Titeln wirken die Themen teils etwas fern vom Leser: Schwimmtipps von einer deutschen statt einer britischen Olympiagewinnerin wären vermutlich spannender. Dieses Manko ist jedoch nur von geringer Tragweite. Das größte Problem beider Magazine ist das Layout: Bei Schriftart und Schriftgröße wird unvermittelt hin- und hergewechselt, weshalb es teils schwierig ist, zwischen Anzeigen und redaktionellen Inhalten zu unterscheiden.

Ganz besonders fällt das bei der "Health & Fitness" auf einer Doppelseite zu Beginn auf, die auch im Inhaltsverzeichnis als redaktioneller Beitrag angekündigt wird. Hier wird din kabelloser MP3-Player vorgestellt, der sich besonders gut zum Sporttreiben eignen soll. Ob ein Redakteur den Text verfasst hat - und wenn ja welcher, ist nicht ersichtlich, das Gerät wird mehrmals abgebildet und mit eindeutig werblichen Worten beschrieben: So ist von "ausgezeichnetem Tragekomfort" und "ausgeklügeltem Design" die Rede. Eine Kennzeichnung als Anzeige findet jedoch nicht statt.

Unabhängig von diesen Kritikpunkten werden es die Magazine auf dem Markt schwer haben: G+J und Klambt stellten wegen zu schlechter Zahlen im Juli das gemeinsame Frauenfitness-Magazin "Healthy Living" ein, zudem gibt es mit "Men’s Health" (Motor Presse) und "Vital" (Jahreszeiten Verlag) bereits einige vergleichbare Titel. Einen Mehrwert, der zum Erfolg verhelfen können, bieten die beiden neuen Magazine auf den ersten Blick nicht. Weiterhin liegt der Copypreis mit je 3,90 Euro vergleichsweise hoch für die Neueinführung eines Titels - im Vergleich: Burdas "Fit for fun" kostet 3,30 Euro, die "Shape" ist bereits für 2,80 Euro zu haben. Die Startauflage von "Health & Fitness" und "Men's Fitness" liegt bei je 80.000 Exemplaren und soll im Januar 2011 auf 100.000 Exemplare gesteigert werden. Vertrieben werden die Magazine über IPS Pressevertrieb, die Hefte sollen vor allem über den Einzelverkauf am Kiosk sowie Abonnements an die Leser gebracht werden. sw
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