Hauptstadtsender XXP geht an den Start

Mittwoch, 25. April 2001

"No soap, no trash, no game show" - so verheißt der Trailer des neuen Hauptstadtsenders von Spiegel-TV und DCTP. "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust räumte vor der Presse in Berlin gleichzeitig ein, dass mit dem neuen Sender und den Produktionen in der Stadt "eine automatische Sogwirkung" auf das noch in Hamburg ansässige Spiegel-TV mit rund 250 Mitarbeitern in Richtung Berlin ausgeübt werde: "Der Trend ist vorhanden." Zunächst verstärke sich Spiegel-TV in der Hauptstadt. Aust forderte den Hamburger Senat auf, über die Attraktivität seines Standorts nachzudenken. XXP hat in Berlin Räume bezogen, die ursprünglich für die deutsche "Wired"-Redaktion vorgesehen waren.

Jakob Krebs, Programmmanager der DCTP, stellte klar, dass das neue themenorientierte Fernsehen bei seinem Bekanntwerden vor allem auf Werbung durch die redaktionelle Beiträge in anderen Medien setzt. Lediglich im "Spiegel" soll eine Anzeige vom Start am 7. Mai künden, eventuell wird noch in den Lokalzeitungen geschaltet. Auch das themenorientierte Programm, das neben den Zulieferungen der Gesellschafter und Partner auf die Schätze der Kinowelt zurückgreifen kann, wird sich zunächst eher zurückhaltend bei der Werbung präsentieren. Spannender Punkt dabei gerade in der Anfangszeit: "Wir kaufen kein Programm, aber wir teilen uns die Werbeerlöse", so Aust über die Zulieferungen. Das gelte auch für die Kinowelt, bei dessen Paket nicht "Der englische Patient" enthalten sei. Der teuerste 30-Sekundenspot - in der Prime Time zwischen 20 und 22 Uhr - kostet 255 Euro (beim Kirch-Sender TV.Berlin 660 Euro) im Jahresdurchschnitt, der günstigste 45 Euro (TV.B: 77 Euro).

Die Akquise verantwortet "Spiegel"-Marketingchef Christian Schlottau, die Werbedisposition liegt in den Händen des Kölner Dienstleisters Carus Media. Geplant ist gemeinsam mit der DCTP eine eigene Vermarktungsorganisation, die XXP in Berlin und im Falle erfolgreicher Bewerbungen andernorts vertreten soll. Allerdings soll Carus Media weiterhin Dienstleister bleiben. Laut DCTP-Programmmanager Jakob Krebs strebt XXP "auf Sicht" einen durchschnittlichen Marktanteil von rund 2 Prozent an (TV.B erreichte 2000 durchschnittlich 1,7 Prozent). Am Ende des dritten Jahres will der neue Sender den Break-even erreicht haben.

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