Harald Schmidt: "Gesprochen hat mit mir niemand"

Donnerstag, 16. September 2010
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Anfang der Woche hat Harald Schmidt verkündet, dass er zurück zu Sat 1 wechselt. In einem Interview mit der "Zeit" rechnet der Moderator jetzt mit den letzten sechs Jahren in der ARD ab. "Ich habe immer nur alles gelesen, gesprochen hat mit mir niemand", sagt Schmidt über seine Zusammenarbeit mit dem öffentlich-rechtlichen Sender. Schmidt betont in dem Gespräch zwar, dass er bei der ARD eine gute Zeit hatte, doch in seinen Erfahrungsberichten ist davon wenig zu merken. "Die Weihnachtsgrüße sind Jahr für Jahr formeller geworden", so Schmidt. Er habe die Signale verstanden und den Entschluss gefasst, den Sender zu verlassen. "Unsere Zusammenarbeit hätte aufgrund der möglichen neuen Angebote sowieso aufgehört", begründet der Moderator seine Entscheidung.

Fred Kogel, Schmidts Produzent und Partner, soll die treibende Kraft bei der Rückkehr zu Sat 1 gewesen sein. Er habe den "Vereinswechsel" in erster Linie eingefädelt, erklärt Schmidt. Kogel hatte dem Late-Night-Talker bereits anfangs des Jahres geraten, wieder mehr Präsenz im Fernsehen zu zeigen. Im Gegensatz zu den 26 Sendungen, die Schmidt pro Jahr in der ARD hatte, werden es bei dem Privatsender wohl über 70 sein. Auch für die ARD hat sein Wechsel etwas positives, findet Schmidt, schließlich hinterlässt er ein großes Budget. "Mein Etat reicht für 500 Ina-Müller-Sendungen."

Seiner Zukunft bei Sat 1 sieht der Moderator gelassen entgegen. Besonders in Zeiten der Finanzkrise findet er es gut, wieder bei einem börsennotierten Unternehmen anzufangen. "Nicht mehr die undurchsichtige Welt der ARD, sondern die klare Frage: Bist du dein Geld wert?". Bei seiner anstehenden Werbetour für die ARD fühlt er sich allerdings "wie wenn ein Fußballer in der Champions League auf seinen künftigen Verein trifft".

Neben seinem Senderwechsel spricht Schmidt in dem Interview auch über Menschen, die ihn in der letzten Zeit sehr beeinflusst haben. René Pollesch, ein Theaterregisseur aus Berlin mit dem Schmidt in der letzten Zeit viel zusammen arbeitete, sei für ihn die wichtigste Begegnung der letzten zehn Jahre. "Pollesch hat mir neue Gedankenwege eröffnet", so der 53-Jährige.

Auch Christoph Schlingensief, der kürzlich verstorben ist, bringt er viel Hochachtung entgegen. "Er ist für mich nicht tot", erklärt Schmidt. "Ich finde, er ist einfach in einem anderen Aggregatzustand und macht so weiter wie bisher, nur eben woanders." hor
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