„Handelsblatt“ vs. „FTD“: Klusmann macht ein bisschen den Steingart

Donnerstag, 30. August 2012
Hahnenkampf: "Handelsblatt"-Chefredakteur Steingart und "FTD"-Kollege Klusmann
Hahnenkampf: "Handelsblatt"-Chefredakteur Steingart und "FTD"-Kollege Klusmann

Ironie auf Lachsrosa: Die „Financial Times Deutschland" kommt aus der Defensive und retourniert den jüngsten Angriff von „Handelsblatt"-Chefredakteur Gabor Steingart. Der hatte am Mittwoch mal wieder mit dem Holzhammer in die Wunde gehauen und Meldungen, wonach die allseits bekannt defizitäre „FTD" teilweise über geringere Umfänge nachdenke, flugs zu einem Abo-Angebot für vermeintlich enttäuschte „FTD"-Leser umgemünzt. Darauf nimmt die „FTD"-Redaktion unter Steffen Klusmann nun in einer kleinen Meldung im eigenen Titel Bezug - und dreht den Spieß kurzerhand um. Steingarts Angebot, sein „Handelsblatt" 100 Tage lang „frei Haus" zu liefern, sei offenbar eine Reaktion auf die wirtschaftliche Schwäche der Wirtschaftszeitung aus Düsseldorf, heißt es in der „FTD"-Meldung. Offenbar zwinge die angespannte Lage den Chefredakteur dazu, „seiner Vertriebstruppe zur Seite zu springen", stichelt die „FTD".

Den Stoff für die Anspielung hatte der Holtzbrinck-Verlag selbst geliefert - mit einem Interview des Holtzbrinck-Beraters Michael Grabner, der im Fachmagazin „Wirtschaftsjournalist" einräumen musste, dass auch das „Handelsblatt" ohne Nebengeschäfte rote Zahlen schreibe. Und da konnten sich selbst die ansonsten so dezenten Hanseaten nicht zurückhalten und greifen, je nach Lesart und Humorverständnis, ebenfalls zur Keule oder zum Florett der Ironie: „Ob die wirtschaftliche Lage und Grabners öffentliches Eingeständnis Folgen für die Redaktion und damit die journalistische Qualität haben, ist unklar", so die „FTD".

Abgesehen davon, darf man Steingarts Interpretation der „FTD"-Umfangspläne durchaus hinterfragen. So hinkt etwa der Vergleich, dass sein Blatt „doppelt so stark" sei wie die demnächst ausgedünnte „FTD", denn das „Handelsblatt" erscheint bekanntlich im kleineren Tabloid-Format; auch nehmen die Kurstabellen dort mehr Platz ein als bei der „FTD". Zudem ist es wohl nicht so, dass die „FTD", wie Steingart pseudo-empört behauptet, an „Information und ihrer Einordnung" sparen will, sondern sie will offenbar eher auf Eigenanzeigen verzichten, die die Umfänge in anzeigenarmen Zeiten aufblähen.

Aus Redaktionskreisen hört man übrigens, dass sich der Holtzbrinck-Verlag selbst über Steingarts Aktion geärgert habe: Angeblich war sie nicht abgesprochen - und sei eine Torpedierung der Bemühungen, die unrentablen Kostenlos-Abos herunterzufahren und selbstbewusst auf allen Kanälen vor allem auf Bezahlinhalte zu setzen. rp
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