"Handelsblatt": Wie "Bild" der Götze-Scoop gelungen sein soll

Mittwoch, 24. April 2013
"Bild Online" berichtete exklusiv über den Götze-Wechsel (Bild: Screenshot bild.de)
"Bild Online" berichtete exklusiv über den Götze-Wechsel (Bild: Screenshot bild.de)


Der Gewinner des gestrigen Tages heißt ganz klar: FC Bayern München. Erst wurde der spektakuläre Wechsel von Mario Götze nach München publik, am Abend fegte die Manschaft schließlich den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League mit 4:0 vom Platz. Die Steuer-Affäre um Bayern-Präsident Uli Hoeneß rückte da fast ein wenig in den Hintergrund. Wie das "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe) nun herausgefunden haben will, steckt dahinter offenbar Methode: Aus Kreisen von Borussia Dortmund sei zu hören, dass der Götze-Transfer gezielt an die Münchner "Bild"-Redaktion durchgestochen wurde. Demnach sei "ein Kontaktmann von Uli Hoeneß am Montagabend an die Redaktion von 'Bild' München herangetreten, um den Scoop anzubieten." Ein gezieltes Manöver, um von Hoeneß abzulenken? Bayern München bestreitet dies. Sportvorstand Matthias Sammer sagte gestern am Rande der Partie gegen Barcelona zu Sky: "Wir sind nicht Botschafter dieser Information. Der Zeitpunkt ist nicht optimal, keine Frage. Die Zielstellung von uns war, nach den Spielen Mitte bis Ende der Woche dies zu transportieren." Axel Springer teilte auf Anfrage mit, sich grundsätzlich nicht zu Quellen zu äußern und deswegen auch entsprechende Spekulationen nicht kommentieren zu wollen.

Borussia Dortmund will von der Meldung der "Bild" kalt erwischt worden sein - obwohl man von den Abwanderungsgedanken Götzes wusste: Laut "Handelsblatt" habe man den Götze-Wechsel unter der Decke gehalten, um die Mannschaft vor dem heutigen Halbfinale in der Champions League nicht zu verunsichern. So liest sich auch die gestern veröffentlichte Stellungnahme des Vereins, derzufolge Götze und sein Berater Volker Struth dem BVB "vor einigen Tagen" mitgeteilt hätten, dass Götze von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen und zum 1. Juli 2013 zu Bayern München wechseln wolle. Vereinsboss Hans-Joachim Watzke beeilte sich zu betonen, "dass sich sowohl Mario als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben." Ein offizielle Anfrage von Bayern München sei indes nicht erfolgt.

Der Bericht im "Handelsblatt" sowie die Erklärung von Borussia Dortmund legen jedenfalls nahe, was auch gestern zahlreiche BVB-Fans im Netz vermuteten: Der Zeitpunkt der Nachricht könnte den Eindruck erwecken, dass mit der vorzeitigen Verkündung des Götze-Transfers Uli Hoeneß aus der Schusslinie genommen werden sollte. Der Bayern-Präsident, der im Verdacht der schweren Steuerhinterziehung steht, hatte zuvor via "Sport Bild" eingestanden, einen "schweren Fehler" begangen zu haben, den er mit seiner Selbstanzeige "zumindest halbwegs" wieder gutmachen wolle.

Nichtsdestotrotz wird der Fall Hoeneß in Medien nach wie vor umfangreich gecovert: Noch am Dienstag veröffentlichte die "Süddeutsche Zeitung" einen Bericht, demzufolge bereits am 20. März ein Haftbefehl gegen Hoeneß vorlag, der jedoch zurückgezogen worden sei. ire
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