Handball-EM: ZDF-Sportchef Gruschwitz mit Einschaltquoten zufrieden

Donnerstag, 26. Januar 2012
Dieter Gruschwitz
Dieter Gruschwitz

Nix war's: Die deutschen Handballer haben das Halbfinale bei der Europameisterschaft in Serbien und damit auch die Qualifikation zu den Olympischen Spielen verpasst. Abgesehen von den nun drohenden Image-Einbußen: Für Medien und Sponsoren ist und bleibt Handball eine hochattraktive Sportart.

Mit der Übertragung der jährlich stattfindenden Handball-Highlights haben insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten positive Erfahrungen gemacht. Gut in Erinnerung ist besonders die Heim-WM vor vier Jahren, als die deutsche Nationalmannschaft überraschend Weltmeister wurde. Damals erreichte die ARD mit der Übertragung der Finalpartie 16,16 Millionen Zuschauer und erzielte einen Marktanteil von grandiosen 58,3 Prozent. Auch wenn an diese Rekordzahlen nie wieder angeknüpft werden konnte, läuft es heuer gut: Die 26:28-Niederlage des deutschen Teams gegen Dänemark verfolgten insgesamt 4,25 Millionen Zuschauer und verschafften dem ZDF damit einen Marktanteil von 15,7 Prozent. Die entschiedende Pleite des DHB-Teams gegen Polen - wieder im ZDF - stieß mit 3,90 Millionen Zuschauern (MA: 23,6 Prozent) ebenfalls auf große Resonanz - trotz der Übertragungszeit ab 16.15 Uhr. Das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Serbien bei WDR und NDR sahen im Schnitt 2,24 Millionen Zuschauer ab drei Jahren (Marktanteil: 6,9 Prozent). "Ich bin zufrieden mit der Zuschauerakzeptanz bei dieser Handball-EM" so ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz gegenüber HORIZONT.NET. "Ich bin sicher, dass ein Halbfinale und dann ein mögliches Finale noch einmal einen gewaltigen Schub gebracht hätten." Dem Handball will das ZDF auch nach dem in sportlicher Hinsicht unbefriedigenden Turnierverlauf die Treue halten: "Auf die weitere Handball-Berichterstattung im ZDF hat das Aus bei der EM erst einmal keine Auswirkungen", sagt Gruschwitz.

Bemerkenswert: Selbst die Übertragung der nicht-deutschen Spiele bei Sport 1 stößt auf spürbares Interesse, teilt der Sender mit. Bis zum 21. Januar verzeichnete Sport 1 eine durchschnittliche Einschaltquote von 400.000 Zuschauern ab drei Jahren. Diese Reichweite bezeichnet man beim Sender als "sehr zufriedenstellend". Auch mit Werbe-Buchungen ist man bei Sport 1 zufrieden: "Die Werbeauslastung im Umfeld der Handball-EM ist für einen eher werbeschwachen Monat wie den Januar sehr erfreulich", heißt es aus dem Sender. Derzeit bietet Sport 1-Vermarkter Constantin Sport Marketing in der Kernzielgruppe der Männer zwischen 14 und 49 einen TKP von knapp 30 Euro.

Auch bei Sponsoring-Experten genießt die Sportart - deutsche  Niederlagen hin oder her - hohes Ansehen. Grund ist die Handball-Bundesliga: "Die Liga versammelt die besten Spieler der Welt in ihren Vereinen und mit dem Pokal Final Four in Hamburg und dem Champions League Final Four in Köln gibt es zudem jährlich zwei absolute Highlight Events mit absolutem Top-Charakter", schwärmt Holger Zindt, Geschäftsführender Gesellschafter bei der Sponsoring- und Event-Agentur Akzio. Die Agentur mit Büros in Frankfurt und München betreut als Kunden etwa die Ergo-Versicherung,  seit 2007 Partner des Deutschen Handball Bundes (DHB). Das Unternehmen hat seinen Vertrag mit dem DHB soeben um zwei Jahre verlängert - ein Beweis für das Vertrauen von Ergo in das Werbeumfeld Handball. Zudem herrsche im Handball so gut wie nie Highlight-Flaute, wie Zindt zu bedenken gibt: "Durch den aktuell noch jährlichen Wechsel von EM und WM liefert Handball auf Nationalmannschaftsebene ebenso im 12-Monats-Takt absolute Highlights – übertragen von den Öffentlich Rechtlichen Programmen."

Ist durch das enttäuschende Abschneiden der Nationalmannschaft bei der EM nun eine angemessene Berichterstattung in Gefahr? "Nein, die Gefahr sehe ich kaum", so Zindt. Die Bundesliga sei die beste Liga der Welt und habe abseits des Erfolges oder Misserfolges der Nationalmannschaft mittlerweile ihren festen Platz in den Medien.  ire
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