Hamburgs Medienkoordinator Seikel fordert mehr Zusammenarbeit mit Berlin / Bekenntnis zu den Lead Awards

Mittwoch, 29. Oktober 2008
Karl Dietrich Seikel
Karl Dietrich Seikel

Die Medienstadt Hamburg will künftig stärker mit Berlin zusammenarbeiten, anstatt sich mit der Hauptstadt einen Subventionswettlauf um die Ansiedlung von Medienunternehmen und Agenturen zu liefern. „Wir müssen uns darauf besinnen, dass beide Standorte mehr kooperieren", sagt Hamburgs Medienkoordinator Karl Dietrich Seikel im Interview mit HORIZONT. Hamburg und Berlin müssten ihre Stärken miteinander verbinden, so Seikel. Er habe erste Gespräche mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg geführt. „Wir werden das Thema verstärkt verfolgen, denn wir müssen künftig in Regionen denken und uns als ,norddeutsche Region‘ verstehen", sagt der frühere „Spiegel"-Geschäftsführer, der den Hamburger Senat seit Juli dieses Jahres in Medienfragen berät.

Zwei Veranstaltungen sollen nach der Vorstellung Seikels jedoch allein mit der Hansestadt verbunden bleiben: der Zeitschriftenpreis „Lead Awards" und der Kongress „Hamburger Dialog". „Die Stadt Hamburg wird alles dafür tun, dass die Lead Awards als erstklassige, verlagsunabhängige Veranstaltung weiterhin in Hamburg stattfinden", sagt Seikel.

Hintergrund: Der Spiegel-Verlag hatte im Frühsommer noch unter dem damaligen Geschäftsführer Mario Frank - Nachfolger von Seikel und Vorgänger des jetzigen Geschäftsführers Ove Saffe - den Sponsorenvertrag mit der Lead Academy, dem unabhängigen Veranstalter des Wettbewerbs, gekündigt. Angeblicher Grund: Der „Spiegel" sah eine Konkurrenzausschlussklausel dadurch verletzt, dass die Lead Academy mit Google einen weiteren Mediensponsor akquiriert hatte. In Hamburg kursiert eine alternative Begründung: Danach habe der „Spiegel" das Event komplett übernehmen wollen, als Veranstalter und Namensgeber. Dies habe zum Zerwürfnis geführt, heißt es.

Mit dem „Spiegel" ist den Lead Awards der größte Sponsor abhanden gekommen - zunächst jedenfalls. Denn man rede noch miteinander, heißt es. Doch falls es bei der Trennung bleibt, dürfe ein geschätzt niedrig sechsstelliger Betrag in der Eventkasse fehlen. Würde die Stadt dann einspringen? „Hamburg wird wie bisher auch seinen finanziellen Beitrag leisten", sagt Seikel. Aber das sei nicht das Thema: Es müssten dann eben andere Sponsoren gefunden werden - „was bei dieser renommierten Veranstaltung sicherlich kein Problem darstellt". Seikel: „Denn eigentlich sind die Lead Awards ja ein Privileg für jeden Sponsor."

Eindeutiger ist die Lage beim Internationalen Mediendialog Hamburg. Der Kongress soll 2009 erneut stattfinden, diesmal zum Thema „Internationale Fragen zur Zukunft des geistigen Eigentums". Dies werde in Zukunft alle Mediengattungen verstärkt betreffen, so Seikel: „Wir möchten einen Fachkongress veranstalten, an dessen Ende Thesen stehen, aus denen jeder Besucher etwas für sein Geschäft mitnehmen kann."


Neues auch von der Hamburger Bildungsfront mit ihren staatlichen und privaten Hochschuleinrichtungen, von denen sich etliche Bereiche mit Medien beschäftigen. „Man könnte sich fragen, inwieweit man diese Aktivitäten eventuell mit einer ,Digitalen Hochschule‘ zusammenführen kann - vielleicht sogar auf dem gerade entstehenden ,Mediencampus Finkenau‘", regt Seikel an. rp

Das Interview mit Karl Dietrich Seikel lesen Sie in der HORIZONT-Ausgabe 44/2008, die am Donnerstag dieser Woche erscheint.
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