Hamburger "Mopo": Geschäftsführer Frank Willers verlässt den Verlag

Freitag, 18. April 2008
Will sich neuen Herausforderungen stellen: Frank Willers
Will sich neuen Herausforderungen stellen: Frank Willers

Das Chaos bei der "Hamburger Morgenpost" geht weiter: Frank Willers, Geschäftsführer der "Mopo", verlässt den Verlag "auf eigenen Wunsch", um sich "neuen Herausforderungen als Medienunternehmer zu stellen", heißt es in einer internen Mail, die auch HORIZONT vorliegt. Wann Willers die "Mopo" verlässt und wer ihm nachfolgt, ist unklar. Beim Verlag und seiner Muttergesellschaft, der BV Deutsche Zeitungsholding in Berlin, war niemand für weitere Auskünfte zu erreichen. Obwohl die Gesellschafter der "Mopo" Willers "für seine hervorragenden Leistungen und für seine wertvollen Verdienste für das Unternehmen" danken, gilt der 47-Jährige als weiteres Opfer des Grundsatzkonfliktes, der seit Monaten bei der "Mopo" und der BV Deutsche Zeitungsholding ("Berliner Zeitung") tobt: Auf der einen Seite stehen jene eher investitionsbereiten Manager, die Wachstum auch in neuen Geschäftsfeldern wie Online suchen; auf der anderen Seite agieren die Vertreter einer schnellen Rendite durch Sparkurs im Traditionsgeschäft. Willers, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, rechnen die "Mopo"-Mitarbeiter der ersten Gruppe zu.

Offenbar wollte Willers, so vermuten Mitarbeiter, dem Kurs des Holding-Geschäftsführers Josef Depenbrock nicht mehr folgen. Depenbrock, zugleich Chefredakteur der "Berliner Zeitung" und Willers' Vorgänger in Hamburg, wird unterstellt, ihm und dem Gesellschafter - David Montgomerys Mecom-Group - gehe es nur um die schnelle Rendite.

Vor Willers nahmen bei der "Mopo" bereits die Vertriebs- und Marketingchefs ihren Hut. Bereits im vergangenen Jahr hatte Chefredakteur Matthias Onken das Haus verlassen. "Mopo"-Mitarbeiter befürchten, dass der Sparkurs einhergeht mit einer Zentralisierung der Verlagsfunktionen bei der Berliner Holding, immer mehr überregionale Seiten vom ungeliebten Boulevard-Schwesterblatt "Berliner Kurier" zugeliefert werden und die "Mopo" den Status einer eigenständigen Zeitung verliert.
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