Hamburger Abendblatt soll "Bürgerzeitung 2020" werden / Relaunch im Frühjahr

Freitag, 08. Januar 2010
Claus Strunz will das "Abendblatt" zur "Bürgerzeitung 2020" machen
Claus Strunz will das "Abendblatt" zur "Bürgerzeitung 2020" machen

Ein Jahr lang hatte sich Axel Springer alle eigenen Großveranstaltungen gespart - und während dieser Event-losen Zeit offenbar Kräfte gesammelt für den Neujahrsempfang seiner Traditionszeitung "Hamburger Abendblatt". Denn die fast 1000 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur waren diesmal nicht wie sonst ins Hotel Atlantic geladen - sondern in den Rohbau der Elbphilharmonie, dem künftigen Hamburger Wahrzeichen an der Elbe. Auf eine zugige Baustelle also, bei Minustemperaturen draußen und Eisschollen drum herum. Ein organisatorischer und logistischer Kraftakt, galt es doch, Wärme, Technik, Catering und Atmosphäre in den Rohbau zu transportieren. All das ist bestens gelungen, und Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel, Top-Manager wie Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber und Branchengrößen wie Verlegerin Friede Springer nebst CEO Mathias Döpfner, Gruner + Jahr-Boss Bernd Buchholz und Agenturchef André Kemper staunten nicht schlecht, als sie das Entstehen des Konzerthauses in luftiger Höhe mit Blick über Hamburg besichtigen konnten - alle schön mit grünem "Abendblatt"-Bauhelm auf dem Kopf.

Zuvor hatte "Abendblatt"-Chefredakteur Claus Strunz erneut den Relaunch seines Blattes für dieses Frühjahr angekündigt. Er versprach ein "modernisiertes Gewand mit noch mehr Exklusiv-Stoffen, Meinung und Hintergrund". Strunz ergänzte seine bisherige Lieblingsparole "Abendblatt 3.0" durch eine neue Rhetorikkonstruktion, von der man erwarten muss, dass sie in den kommenden Monate noch vielfach auftaucht: Sein Blatt solle zur "multimedialen Bürgerzeitung 2020" werden.

Dahinter steht, dass Strunz einen „neuen Blick auf die Stadt" werfen will. Er skizzierte die Idee eines "Bürgers 2020" als Zukunftschance, die auch Gegenstand einer neuen Serie mit prominenten Gastautoren werden soll: "Der Bürger, den ich vor mir sehe, bringt etwas in die Gemeinschaft ein. Wenn wir alle ein bisschen bürgerlicher in diesem Sinne leben, entsteht ein Immunsystem gegen Krisen, persönliche und die des Gemeinwesens." Und hier wolle sein Blatt, das "große bürgerliche Medium dieser Stadt", regelmäßig "laut und deutlich etwas sagen, worüber anschließend das ganze Land spricht". Gleichzeitig kündigte Strunz an, die von Axel Springer 1948 selbst ins Leben gerufene Gründungsaktion der Zeitung - "Seid nett zueinander" - in diesem Jahr neu zu beleben und weitere gemeinnützige Projekte zu fördern. rp
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