"Hamburger Abendblatt": Rein in die Stadtteile / Bettina Wulff besucht Springer

Montag, 09. Januar 2012
Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider (links) mit Bettina Wulff und Geschäftsführer Frank Mahlberg
Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider (links) mit Bettina Wulff und Geschäftsführer Frank Mahlberg


Kurz vorab: Jawohl, es ging auch mal um die Bundespräsidenten-Affäre – sogar beim Neujahrsempfang des "Hamburger Abendblatts" von Axel Springer. Aber nur ganz am Rande. "Meistens rufen Journalisten die Politiker an", rief Chefredakteur Lars Haider den über 1000 Gästen aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Medien und Sport entgegen. Das "Und nicht umgekehrt" musste er gar nicht aussprechen; das Publikum griente auch so. "Wenn ich für 2012 einen Wunsch frei hätte, dann sollte das auch so bleiben", so Haider weiter. Beifälliges Nicken. Mitten in der Menge: Bundespräsidentengattin Bettina Wulff, die ungerührt, souverän und strahlend diese Spitze und einige Blicke ertrug. Ungefähr 20 Meter weiter stand Springer-Chef Mathias Döpfner (sein Handy blieb dem Augenschein nach stumm, oder er ging nicht dran) und lauschte der ersten Rede seines neuen Chefredakteurs in diesem Rahmen.

Und tatsächlich war die Randbemerkung der einzige Ausflug Haiders in die große weite Welt oder zumindest in die Themen Deutschlands. Haider, der seine Karriere beim "Abendblatt" begann, zuletzt drei Jahre als Chefredakteur des "Weser Kuriers" Springer-abtrünnig war und im Juli 2011 als Chef des "Abendblatts" (1948 die erste Zeitungsgründung Axel Springers) zum Konzern zurückkehrte, schraubt den überregionalen Anspruch, mit dem Vorgänger Claus Strunz sich und das Traditionsblatt zu profilieren versuchte, zugunsten des Regionalen, Lokalen und gar "Sublokalen" (Stadtteile) zurück, mit der Hoffnung auf wieder stabilere Auflagen.

In seiner Rede vor den Honoratioren Hamburgs sagte er das auch deutlich, mit persönlichen Schnurren ("Meine Eltern haben in der 'Abendblatt'-Hochzeitskutsche geheiratet“), augenzwinkernd, weniger staatstragend (oder tiefgründig?) als launig (oder hemdsärmelig?). Alles gemäß seinem Credo, dass das "Abendblatt" vor allem Heimatgefühl vermitteln müsse: "Mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen". Das passte vortrefflich zur Location des Empfangs: Im Cruise Center Altona, dem neuen Kreuzfahrtterminal. Am Vortag war dort die "Queen Elizabeth" in See gestochen.

"Hamburg fest im Blick" - das bedeute für die Reporter: "Raus aus der Redaktion, rein in die Bezirke, in die Stadtteile. Um die Geschichten von denen zu erfahren, die sie direkt betreffen, von unseren Leserinnen und Leser." Das "Abendblatt" sei ein Heimatblatt, und "eine Lokalzeitung muss dort immer im Gespräch bleiben". Erstmals gebe es für jeden Stadtteil einen Paten in der Redaktion, sagte Haider und kündigte eine Stadtteilserie sowie "Bezirks-Apps" für Digitalausgaben an. Strunz' Projekt der Leserreporter indes wird gestoppt. Und ja, auch die Hochzeitskutsche werde wieder reaktiviert.

Was interessiert die Leser denn am meisten? Die Themen bezahlbarer Wohnraum, Schulen und die Dauerbau- und -kostenstelle Elbphilharmonie. Und natürlich alles von und mit dem Alt-Bundeskanzler und Kult-Hamburger Helmut Schmidt – in der Wahrnehmung vieler „unser eigentliches Staatsoberhaupt“. Doch noch eine Anspielung auf die hohe Politik? rp
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