"Hallo München" zum NSU-Prozess: "Kollegenschelte in Teilen völlig überzogen"

Donnerstag, 02. Mai 2013
So freute sich "Hallo München" über den zugelosten Presseplatz beim NSU-Prozess
So freute sich "Hallo München" über den zugelosten Presseplatz beim NSU-Prozess


Die Vergabe der Presseplätze beim NSU-Prozess wird immer mehr zur Farce: Nachdem zahlreiche Top-Medien beim Losverfahren leer ausgegangen sind, muss das Gericht nun wegen technischer Pannen nachverlosen. Dennoch werden Zeitungen wie die "Welt" oder die "FAZ" nicht an dem Prozess teilnehmen können. Dabei sein hingegen wird das Anzeigenblatt "Hallo München" - was einigen in der Branche sauer aufstößt. Redaktionsleiter Mike Eder bezieht gegenüber HORIZONT.NET Stellung zum Ausgang des Losverfahrens beklagt die anschließende Kollegenschelte. "Der wichtigste Prozess in diesem Jahr in Deutschland, und die drei großen überregionalen Qualitätszeitungen des Landes sind ausgeschlossen, anders als etwa das Anzeigenblatt 'Hallo München' das ist doch absurd", schimpfte "Welt"-Chefredakteur Jan-Eric Peters. Seine Zeitung war beim Losverfahren um die Presseplätze beim NSU-Prozess leer ausgegangen, ebenso wie etwa die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Zeit" oder die "taz". Kritik kam auch von Verbandsseite: Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) Michael Konken nannte den Ausgang des Verfahrens "zweifelhaft".

Mike Eder, Redaktionsleiter bei "Hallo München", räumt ein, dass die Vergabe von Presseplätzen per Los nicht ideal gewesen sei. "Die Kollegenschelte, die die Vergabe jetzt nach sich zieht, halte ich jedoch in Teilen für völlig überzogen", so Eder. Die Münchner finden es keineswegs absurd, dass sie online über den Prozess berichten dürfen: "Als Münchner Stadtzeitung, bei der 15 Redakteurinnen und Redakteure beschäftigt sind, haben wir selbstverständlich ein berechtigtes und nachvollziehbares Interesse daran, ein derartiges Ereignis einem breiten Publikum nahezubringen."

Zwar könne er die Enttäuschung der zu kurz Gekommenen verstehen, so Eder. "Wieso aber sollten sie grundsätzlich mehr Recht haben, vom NSU-Prozess zu berichten, als beispielsweise 'Hallo München'? Diese Einstellung hat nach meinem Verständnis einen seltsamen Beigeschmack und zeugt, wenn nicht von Dünkelhaftigkeit, so doch von Arroganz." Den in der Kritik der anderen Medien mitschwingenden Vorwurf, ein Anzeigenblatt könne von dem Mammut-Prozess nicht angemessen berichten, will Eder deshalb nicht gelten lassen: "Als interessierte und gut ausgebildete Journalisten, die einer großen Mediengruppe angehören, sind wir bestens vorbereitet." Noch im Raum steht offenbar die Option, den Platz einem Partner oder einem türkischen Medium zukommen zu lassen. Das, so Eder, "entscheiden wir jetzt in Ruhe in den nächsten Tagen." ire
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