HORIZONT.NET-Umfrage: Wie die Chefs der großen Newsportale die Herausforderungen der Zukunft meistern wollen

Freitag, 14. August 2009
Rüdiger Ditz
Rüdiger Ditz

An Herausforderungen mangelt es den großen Nachrichtenportalen wahrlich nicht: Paid Content funktioniert (noch) nicht. Werbeeinnahmen allein reichen (meist) nicht aus, um Qualitätsjournalismus im Netz zu finanzieren. Und News-, Pressespiegel- und Aggregator-Dienste greifen Inhalte ab, vermarkten sie auf eigene Rechnung und verschärfen so die Situation.

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Im Vorfeld einiger Relaunches und inhaltlicher Erweiterungen in diesem Spätsommer und Herbst (Spiegel Online, Welt Online, Sueddeutsche.de, Focus Online, Zeit Online, Ftd.de) und nach dem Relaunch von Stern.de in der vergangenen Woche hat HORIZONT.NET die Verantwortlichen führender Nachrichtensites gefragt:


Vor welchen zusätzlichen Problemen oder Herausforderungen stehen die Newsportale?

Aber jetzt mal optimistisch: Welche dieser Herausforderungen sind am ehesten zu meistern?

Die Antworten von Rüdiger Ditz, Chefredakteur Spiegel Online, Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur Sueddeutsche.de, Christian Hasselbring, Geschäftsführer Stern.de, Christian Röpke, Geschäftsführer Zeit Online, und Rainer Kurlemann, Chefredakteur RP Online, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Das sagt Rüdiger Ditz, Chefredakteur Spiegel Online

Rüdiger Ditz, Chefredakteur Spiegel Online

Noch immer haben viele Verlage kein klares Onlinekonzept: Was wollen sie ihren Lesern bieten – und was sind die Bedürfnisse der Leser? Solange das nicht steht, haben diese Angebote ein Problem. Was sich am ehesten lösen lässt? Paid Content – nicht für die breite Masse, aber in Nischen.

Das sagt Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur Sueddeutsche.de

Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur Sueddeutsche.de

Hans-Jürgen Jakobs
Hans-Jürgen Jakobs
Da derzeit in der Branche die Visits aufgewertet werden, stellt sich automatisch die Frage nach der Auffindbarkeit bei Google – mit allen problematischen Implikationen, die der Umgang mit einem solchen übermächtigen Monopolisten mit sich bringt. Optimismus? Die Nutzung der Online-Medien steigt weiter. Die Zielgruppe ist so jung, wie die des Privatfernsehens nie war. Solche Vorteile werden sich in der Werbewirtschaft herumsprechen und auf Dauer zu mehr Buchungen zu höheren Preisen führen. Da – hoffentlich – elektronische Vertriebserlöse dazukommen, muss einem um die Zukunft der Verlagswebsites nicht bange sein. Zumal gute Zeitungen und Zeitschriften ihren Platz erhalten und dem Branchengerede vom „Tod des Gedruckten“ trotzen.

Das sagt Christian Hasselbring, Geschäftsführer Stern.de

Christian Hasselbring, Geschäftsführer Stern.de

Christian Hasselbring
Christian Hasselbring
Grundsätzlich haben alle Verlage die Herausforderung zu meistern, ihre Publishing-Strukturen sowohl technisch als auch im Sinne der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Teams für Print und Online weiter zu entwickeln. Hier wird noch viel synergetisches Potenzial liegengelassen, und die Kostenstrukturen entsprechen häufig nicht dem Erlöspotenzial des Marktes. Das „Problem“, dass Google und Co Inhalte „abgreifen“, wird sich auflösen, da es zum Einen so nicht existiert und zum Anderen alle Marktteilnehmer daran arbeiten werden, dass mit Unterstützung smarter Technologien eine insgesamt funktionierende Wertschöpfung entsteht. Die Suchmaschinen – im deutschen Markt in erster Linie Google – sind die Gatekeeper zu den Inhalts- und Funktionsangeboten im Web. Mit ihnen konstruktiv-kritisch zu interagieren, das ist und wird weiterhin für alle Inhalteanbieter wesentlich für effizientes Audience Development sein. Umgekehrt müssen die Medien sich Gedanken machen, wie sie ihre Inhalte so produzieren und vorhalten, dass sie in immer wieder neuen Nutzungssituationen einen Mehrwert für den User darstellen, genutzt und monetarisiert werden können.

Das sagt Christian Röpke, Geschäftsführer Zeit Online 

 

Christian Röpke, Geschäftsführer Zeit Online

Christian Röpke
Christian Röpke
Eine Herausforderung ist, den Dialog der User auch auf den Sites der Verlage stattfinden zu lassen. Wir stellen nicht den Anspruch, Kommunikationsplattform à la VZ-Gruppe oder Facebook zu sein. Aber der Dialog der User untereinander sowie mit unserer Redaktion ist eine wichtige Aufgabe, die uns bei Zeit Online besonders wichtig ist. Und grundsätzlich muss die Refinanzierung unserer Aktivitäten das oberste Ziel sein. Langfristig gesehen können wir nur mit einer soliden finanziellen Basis auch alle anderen Herausforderungen meistern.

Das sagt Rainer Kurlemann, Chefredakteur RP Online 

Rainer Kurlemann, Chefredakteur RP Online

Rainer Kurlemann
Rainer Kurlemann
Für alle drei Fragen gibt es Lösungen: Damit Paid Content funktioniert, benötigen die Verlage hochwertige Inhalte, die nur sie liefern können. Da muss jeder Verlag prüfen, welche Inhalte das sein können und wie sich dieses Potenzial entwickeln lässt. Die Werbeeinnahmen lassen sich durch neue Ideen gerade für Onlinewerbung steigern. Google ist sicher eine Konkurrenz für die Verlage, aber nicht die Wurzel allen Übels. Es zeigt sich: Die lokalen und regionalen Kunden vertrauen den Verlagen deutlich mehr, man muss nur die richtigen Angebote machen. rp
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