HORIZONT liest ... "FAZ": Weil es gar nicht so einfach ist, klug zu sein

Donnerstag, 27. Juni 2013
Die "FAZ" setzt statt schneller News auf Einordnung und Analyse
Die "FAZ" setzt statt schneller News auf Einordnung und Analyse
Themenseiten zu diesem Artikel:

FAZ Euro-Krise Frankfurt Rhein-Main Horizont Zt# Werner D'Inka



Zu großes Format, zu viel Text, zu wenig Bilder. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" fehlt all das, was im allgemeinen Denken eine moderne Zeitung ausmacht und doch ist sie so modern wie man nur sein kann. In einer Zeit, in der die schnelle News dominiert, zeigt sie jeden Tag aufs Neue, was eigentlich entscheidend ist: Die Geschichte hinter der Nachricht, die richtige Einordnung und die möglichen Folgen. Die "FAZ" bedient all die Leser, denen ein immer zugespitzterer und immer inhaltsleererer Häppchenjournalismus nicht ausreicht, die wirklich verstehen wollen, was um sie herum passiert und die von ihrer Lektüre deshalb vor allem eins erwarten: dass sie sie nicht populistischer, sondern klüger macht.

Der Inhalt

Die "FAZ" steht für eine liberal-konservative Haltung und spaltet damit seit ihrem Bestehen das Bildungsbürgertum in Freund und Feind. Sie ist im besten Sinne "vierte Kraft im Staat": Tiefgründig, sachlich, skeptisch. In einer Zeit, in der auch renommierte Titel reißerischer werden und unbequeme Wahrheiten nur ungern differenziert aufschreiben, achten mit Werner D'Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher, Holger Steltzner und dem nach außen hin präsentesten Frank Schirrmacher nicht Chefredakteure, sondern ein Herausgeber-Gremium darauf, dass die Zeitung auf Kurs bleibt.

Den Leserbriefen räumen die Herausgeber viel Platz ein
Den Leserbriefen räumen die Herausgeber viel Platz ein


"Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" - seit Jahrzehnten wirbt die "FAZ" mit diesem Claim, der nicht nur eitles Reden, sondern ein Versprechen an die Leser ist. Denn auch hinter den Texten stecken schlauen Menschen. Redakteure, die Expertise haben, sich Zeit nehmen können für ihre Arbeit und auch Platz bekommen, um die Ergebnisse auf sprachlich hohem Niveau aufzuschreiben - Bedingungen, die in der schnelllebigen Onlinewelt und in den auf Sparkurs getrimmten Printredaktion immer seltener zu finden sind.

Jeden Tag schöpft die "FAZ" aus dem Vollen, aus dem Pool dieser großen, gebildeten, über 420 feste Mitarbeiter zählenden Redaktion, die auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und FAZ.Net produzieren. Es ist eine Mannschaft, die sich in ihren Themen bis in die kleinsten Verästelungen hinein auskennt - und mit Matthias Müller von Blumencron gerade erst einen weiteren Hochkaräter verpflichtet hat. Sie liefert in allen Ressorts Hintergründiges und erinnert an vieles, was im Tageseinerlei des Newsstroms schon wieder in Vergessenheit geraten ist. In der heutigen Ausgabe zum Beispiel an den russischen Oligarchen Michail Chordorkowski, der vor fast zehn Jahren verhaftet worden war und dessen Freilassung 2014 schon wieder in Frage steht.

Täglich erscheint die Zeitung bundesweit mit der klassischen Aufteilung Politik, Wirtschaft, Finanzmarkt, Sport und Feuilleton, hinzu kommen die rotierenden Bücher wie "Reiseblatt" und "Natur und Wissenschaft". In Frankfurt und Umgebung liegen zudem die "Rhein-Main Zeitung" und "Rhein-Main und Hessen" bei. Die "FAZ" gilt in jedem Bereich als Benchmark, die sich nur mit wenigen Konkurrenten vergleichen lassen muss.

Die aktuelle Ausgabe

Die „FAZ“ bringt schon auf der Titelseite große Kommentare
Die „FAZ“ bringt schon auf der Titelseite große Kommentare
Es hat lange gedauert, bis die "FAZ" Titelbilder eingeführt hat und auch heute unterscheiden sie sich von denen anderer Zeitungen. Es sind sprachliche Ratespiele, die auch der klügste Kopf häufig nicht zu lösen vermag, ohne ein paar Seiten weiterzublättern. Heute sitzen dort drei chinesische Raumfahrer - ohne Kontrabass. Die Auflösung kommt auf Seite 7.

Schon auf der ersten Seite bringt die "FAZ" nicht nur Nachrichten, sondern auch zwei Kommentare. Auf über 150 Zeilen - soviel Platz, wie anderorts große Aufmacher beanspruchen - widmet sich Nikolas Busse heute der Euro-Krise und den Folgen für die europäische Integration: "Das alte Credo, dass europäische Probleme am besten durch ,mehr Europa' gelöst würden, ist durch die Euro-Krise erschüttert. Im Grunde glaubt daran nur noch das Brüsseler Personal", schreibt er. Die Euro-Krise, das ist ein gutes Beispiel für die klare Haltung der Zeitung. Die "FAZ" wird nicht müde, zu mahnen und zu warnen, so spröde und wenig glamourös das Thema für den Durchschnittsdeutschen auch sein mag, der zu gerne vergisst, dass all das, "was die da in Brüssel" beschließen, auch sein eigenes Leben betrifft.

Auflage

HORIZONT liest ...

Printkrise hin oder her, noch nie hat es an deutschen Kiosken eine so große Auswahl gegeben wie im Jahr 2013. Der Leser kann aus rund 6000 Zeitschriftentiteln wählen, dazu kommen die regionalen und überregionalen Tageszeitungen.

In der Online-Kolumne "HORIZONT liest..." wühlt sich die Redaktion wöchentlich durch die Vielfalt am Zeitschriften- und Zeitungsstand und stellt ihre Favoriten jeden Donnerstag vor.

Von montags bis samstags hat die "FAZ" im 1. Quartal 2013 laut IVW 338.478 Exemplare verkauft - 4,72 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein Drittel des Verlustes entfällt jedoch auf die deutlich gesunkenen Bordexemplare. Die Aboauflage liegt bei 223.769 Stück, der Einzelverkauf bei 39.897.

Zielgruppe

Laut AWA 2012 erreicht die "FAZ" rund 1,19 Millionen Leser, davon sind 64,9 Prozent männlich. Zu den Lesern gehören viele Entscheider. Die Leser sind überdurchschnittlich gebildet und verfügen über ein hohes monatliches Haushaltsnettoeinkommen. Bei mehr als einem Viertel der Leser liegt es bei 5000 Euro und darüber. Zwar stellen die 40- bis 49-Jährigen mit 19,5 Prozent den Großteil der Leser, doch auch bei den 14- bis 29-Jährigen ist die Zeitung mit einem Anteil von 15,2 Prozent gut vertreten.

Facts

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" erscheint montags bis samstags. Die wochentägliche Ausgabe kostet 2,20 Euro, die Anzeigenseite 1/1 4c 63.780 Euro. Die Samstagsausgabe liegt für 2,40 Euro am Kiosk, die Seite 1/1 4 c kostet 65.890 Euro. pap
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