HORIZONT-Umfrage zum Runden Tisch: "Medien leben von ihrer Unabhängigkeit"

Mittwoch, 28. Mai 2003

Dem Vorschlag von Bundeskanzler Schröder, einen "runden Tisch" zur Rettung der Zeitungslandschaft in Deutschland zu etablieren, erteilen Chefredakteure und Geschäftsführer führender Verlage eine Absage. Wie eine aktuelle Umfrage von HORIZONT (Ausgabe 22/2003) ergab, beurteilt die Mehrzahl der Befragten die Aussichten der Initiative als äußerst zweifelhaft, so etwa Andreas Petzold, Chefredakteur beim "Stern": "Wenn sich die Politik lenkend in das Mediengeschäft einmischt, entstehen neue Abhängigkeiten. Das nützt nicht dem Leser, sondern den Politikern."

Ähnlich kritisch sieht Manfred Braun, Geschäftsführer bei der Verlagsgruppe Bauer, den Vorschlag: "Ich halte eine solche Einmischung für gefährlich. Unserer Branche wäre nicht zu helfen, wenn sie sich nicht selbst helfen könnte." Aus Sicht von Berthold Kohler, Herausgeber der "FAZ", liegt es nicht allein in der Hand des Bundeskanzlers, wie vielfältig die deutsche Zeitungslandschaft bleibt: "Informationen aus erster Hand über die Sorgen und Nöte der Branche werden ihm und ihr aber nicht schaden."

Helmut Markwort, Chefredakteur bei "Focus" , hält es für "originell, wenn der SPD-Vorsitzende, dessen Partei an vielen Tageszeitungen beteiligt ist, sich die Sorgen seiner Mitbewerber anhört." Rainer Esser, Geschäftsführer bei "Die Zeit", steht dem Krisentreffen dagegen positiv gegenüber: "Ich erwarte von dieser sehr vernünftigen Initiative, dass die publizistische Vielfalt erhalten werden kann, indem wirtschaftlich große Einheiten geschaffen werden. Andernfalls werden in absehbarer Zeit eine Reihe von Zeitungen nicht überlebensfähig sein." hor

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von HORIZONT (22/03), die am Freitag erscheint.
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