HORIZONT-Check: Wie WSJ.de den deutschen Markt erobern will

Dienstag, 10. Januar 2012
Ab heute online: Die deutschsprachige Ausgabe Website des "Wall Street Journal"
Ab heute online: Die deutschsprachige Ausgabe Website des "Wall Street Journal"


Seit heute ist unter WSJ.de das deutschsprachige Internetportal des renommierten "Wall Street Journal" online. Das Nachrichtenportal will sich vor allem durch eine internationale Perspektive von den deutschen Konkurrenten abheben. Ob das Paid-Content-Modell von WSJ.de auch hierzulande funktioniert, muss sich allerdings erst noch zeigen. Eine Umfrage unter potenziellen Lesern habe ergeben, dass diese in der hiesigen Wirtschaftspresse vor allem die internationale Perspektive auf die Weltwirtschaft vermissen, betont Knut Engelmann, Chefredakteur von WSJ.de: "Diesen Blick über den deutschen Tellerrand hinaus möchten wir Ihnen ermöglichen - unsere Korrespondenten sind für Sie in Frankfurt und Berlin genauso unterwegs wie in Brasilia und Schanghai", verspricht Engelmann den Lesern von WSJ.de.

"Leser im deutschen Sprachraum brauchen mehr Nachrichten aus dem internationalen Raum, gleichzeitig besteht weltweit immer noch ein Informationsdefizit über die Rolle Deutschlands in der Welt", sagt auch Robert Thomson, Editor-In-Chief von Dow Jones & Company und Managing Editor des Wall Street Journal. "Deutschland und seine Unternehmen hängen von der Weltwirtschaft ab, und es ist unser Ziel, Unternehmen und Führungskräften im deutschsprachigen Raum genau die Nachrichten und Analysen zu liefern, die sie für fundierte Entscheidungen benötigen."

Ein Blick auf die Website bestätigt: Meldungen aus aller Welt bilden den inhaltlichen Schwerpunkt, auch wenn der Aufmacher zum Start ein Exklusiv-Interview mit Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser ist. Für die internationale Berichterstattung kann das Portal auf das weltweite Korrespondentennetz des Mutterkonzerns Dow Jones mit rund 2000 Journalisten zugreifen. Die Redaktion von WSJ.de hat ihren Sitz in Frankfurt am Main, dem deutschen Hauptsitz von Dow Jones. Inhalte aus Deutschland liefern zudem Welt Online und Finanzen.net.

Über die Hauptnavigation kann der User auf die Nachrichten aus Deutschland oder der Welt zugreifen, weitere Rubriken sind "Wirtschaft", "Unternehmen", "Märkte" "Analyse", "Technologie" und "Jobs". Auf der Homepage bietet die Rubrik "What's New" die wichtigsten aktuellen Meldungen auf einen Blick. Umfangreiche Finanz- und Börsendaten runden das Angebot ab. Optisch lehnt sich das Portal stark an die internationale Ausgabe WSJ.com an und wirkt auf den ersten Blick etwas kleinteilig und unübersichtlich, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit findet man sich aber schnell auf der Seite zurecht.

Ähnlich wie die FTD.de setzt auch das Wall Street Journal im Netz auf ein sogenanntes Freemium-Modell: Eine begrenzte Zahl von Artikeln sind frei zugänglich, danach senkt sich die Bezahlschranke. Der volle Zugang kostet pro Monat 12,67 Euro oder 152 Euro pro Jahr. In den ersten vier Wochen ist der Zugang noch unbeschränkt möglich. Danach wird sich zeigen, ob die exklusive Zielgruppe von WSJ.de groß genug ist.

Managing Editor Robert Thomson zumindest zeigt sich zuversichtlich: "Deutschland ist für uns ein Wachstumsmarkt und der Motor unserer Expansionsstrategie in Europa. Unser immer erfolgreicheres Bezahlmodell gibt uns die Kraft, in den weltweit besten Journalismus zu investieren, während viele andere Medienunternehmen in Europa Druck verspüren, ihre Nachrichtenredaktionen zu verkleinern." dh
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