HORIZONT-Check: Warum es für "Style League" am Kiosk schwer werden könnte

Montag, 21. November 2011
"Style League" bietet Produkttipps für den modischen Mann von Welt
"Style League" bietet Produkttipps für den modischen Mann von Welt

Vom Netz an den Kiosk: Der Blog Styleleague.net ist auf gedrucktes Papier gewandert. Seit Freitag liegt die erste Ausgabe von "Style League" im Zeitschriftenladen. Auf 114 Seiten finden Männer mit viel Trendbewusstsein Produkttipps und Beiträge zu den Themen Design und Mode. Doch ob sich das Magazin wirklich am Markt durchsetzen kann, ist fraglich.

Inhalt und Layout

Der Untertitel "Der Buyer's Guide für den Mann" spiegelt sich auch im Inhalt wider: Das Magazin liest sich wie ein einziger Einkaufskompass. Die Auswahl der empfohlenen Produkte zielt dabei ohne Frage auf Männer mit einer Extraportion Stil ab: Wer sonst würde sich für Parfum für den Bart (mit dem hübschen Namen "Dude No. 1"), einen Edel-Tischtennis-Tisch oder Bio-Kaffee aus New York interessieren? Die zahlreichen Kauftipps jeder Preisklasse - von der iPhone-App für 79 Cent bis hin zum 33.000-Euro-teuren Geländewagen - könnten zudem eine zweite Käuferschicht auf den Plan rufen: Die der Freundinnen, die noch auf der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk für ihren Styler-Freund sind.

Interessanter als die Produkttipps sind jedoch die Rubriken "Kurz gesagt" und "Genauer betrachtet". Erstere bietet beispielsweise "Fünf Schritte zum richtigen Eisfischen" sowie vier Portraits von Männern mit Stil - darunter auch Heimat-Kreativchef Guido Heffels. In der zweiten Rubrik sind die längeren, redaktionellen Stücke gesammelt - die wahren Perlen des Magazins, wie beispielsweise der Artikel "Durch Istanbul mit Erdal Yildiz".

Die Modestrecke "Noblesse Sauvage" überzeugt mit schicken Bildern
Die Modestrecke "Noblesse Sauvage" überzeugt mit schicken Bildern
Ebenfalls punkten kann das Magazin beim Layout: Die ausgewählten Bilder sind qualitativ hochwertig, was sich am besten in der Modestrecke "Noblesse Sauvage" zeigt. Die matte Optik und das feste Papier tun ihr übriges dazu, dass "Style League" nicht nur gut aussieht, sondern sich auch gut anfühlt. Schade ist allerdings, dass der Großteil des Hefts mit vergleichsweise unspektakulären Produktbildern illustriert ist.

Vertrieb und Anzeigen

Empfehlungen der Redaktion: Bart-Parfum und Werkzeugschrank
Empfehlungen der Redaktion: Bart-Parfum und Werkzeugschrank
"Style League" ist zu einem Copypreis von 6 Euro im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die Werbebranche scheint das Magazin bereits ganz gut aufgenommen zu haben: Insgesamt 15 Seiten sind mit Anzeigen von Unternehmen wie Tommy Hilfiger, Pilsner Urquell, dem Energydrink Schwarze Dose 28 und dem Uhrenhersteller Tissot belegt.

Dass einige der werbenden Unternehmen auch im redaktionellen Teil wieder auftauchen - wie beispielsweise Range Rover oder G-Shock -  könnte Zufall sein. Beim Durchblättern stößt jedoch unangenehm auf, dass beinahe jedem Artikel Hinweise auf Unternehmen, Websites oder Produktpreise beigefügt sind. Sicherlich, "Style League" ist ein Einkaufsguide, aber etwas mehr Subtilität hätte nicht geschadet.

Die Macher betonen gegenüber HORIZONT.NET, dass sämtliche Produktempfehlungen redaktionell ausgewählt sind - ohne monetäre Anreize der Unternehmen. Da dieses subjektive Prinzip eine der wichtigsten Grundlagen des Bloggens ist, wäre es wohl für die gesamte Marke fatal, würden Empfehlungen der Redaktion eingekauft. Dennoch: Ein kleiner Negativeindruck bleibt beim Leser zurück.

Konkurrenz

Auf die Zielgruppe der stylischen, jungen Männer haben es in letzter Zeit einige Magazine abgesehen. Vor allem Gruner+Jahr greift mit Titeln wie "Beef" (Kochen), "Business Punk" (Lifestyle und Job) und "Gala Men" (Stil und Mode) an. Aber auch "Wired" (Condé Nast) oder "Kinki" (Aurum Communication) sprechen eine ähnliche Zielgruppe an. Zudem steht hinter "Style League" kein großes Verlagshaus: Das Blatt wird von Commandante Berlin gestaltet und konzipiert und erscheint bei Vollstrudel, einem Berliner Unternehmen, das neben "Style League" auch "Mitte Schön", ein Magazin für Berlin-Mitte, herausgibt. Die Druckauflage von 20.000 Exemplaren ist daher ambitioniert, wenn man bedenkt, wie eng gefasst einerseits die Zielgruppe ist und wie speziell der Titel. Die zweite Ausgabe soll voraussichtlich am 25. April 2012 erscheinen, generell ist eine halbjährige Erscheinungsweise geplant.

Fazit

Ein echtes Highlight: Die Optik des Magazins
Ein echtes Highlight: Die Optik des Magazins
Braucht der deutsche Zeitschriftenmarkt wirklich ein Magazin, das hauptsächlich aus Produkttipps für Männern besteht - angereichert um wenige längere Artikel? Sicherlich, die Optik stimmt. Und für eine kleine Zielgruppe mag ein solches Heft durchaus interessant sein.

Angesichts der Konkurrenz im Markt dürfte es jedoch schwierig werden, "Style League" langfristig erfolgreich zu positionieren. Auch der Werbecharakter, den das Blatt ausstrahlt, könnte zum Stolperstein werden. Doch eine Alternative gäbe es für die Macher: Statt Kioskverkauf sollten sie vielleicht besser eine Kooperation mit Boutiquen oder Indie-Clubs anstreben. Dort wäre ein Blatt wie "Style League" sicherlich gern gesehen. sw
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