HORIZONT-Check: Warum "The Voice of Germany" auch digital so gut funktioniert

Freitag, 09. Dezember 2011
Die Facebook-Profile der Kandidaten sind direkt mit der Seite der Show verknüpft
Die Facebook-Profile der Kandidaten sind direkt mit der Seite der Show verknüpft

Pro Sieben und Sat 1 ist mit "The Voice of Germany" ein echter Coup gelungen: Die Marktanteile haben mittlerweile die 30-Prozent-Hürde geknackt und auch die Kritiken sind wohlwollend. Doch parallel zur TV-Show haben die Sender eine umfassende Digitalstrategie gestartet, die den Zuschauern die Interaktion mit der Castingshow ermöglicht. HORIZONT.NET hat die Social-Media-Aktivitäten und das mobile Angebot unter die Lupe genommen.

Facebook

Mehr als 118.000 Menschen gefällt "The Voice of Germany" auf Facebook, etwa 56.600 sprechen über die Castingshow - und all das nur zwei Wochen nach Start. Zum Vergleich: "Das Supertalent" hat zwar mehr als doppelt so viele Fans (249.600), deren Aktivität ist jedoch deutlich geringer - weniger als 15.000 Menschen unterhalten sich auf Facebook über das RTL-Format.

Und nicht nur die Show selbst ist mit zahlreichen Posts auf Facebook aktiv: Auch die Kandidaten bekommen eigene Seiten, einige davon haben bereits mehr als 1000 Fans, wie zum Beispiel Rino Galiano und Percival. Nena, Xavier Naidoo und die übrigen Coaches sind ebenfalls im sozialen Netzwerk vertreten. So beflügeln sich die Seiten gegenseitig - wer Fan der Show ist, klickt schnell auch bei seinem Lieblingskandidaten auf "Gefällt mir" und will wissen, was die Juroren auf ihren Profilen posten - ein rundum gelungenes Paket.

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Die Smartphone-App

Die Android-App verbindet Show und Smartphone - und stürzt manchmal ab
Die Android-App verbindet Show und Smartphone - und stürzt manchmal ab
Wer ein Apple- oder Android-Smartphone besitzt, kann sich kostenlos die "The Voice of Germany Connect"-App herunterladen. Alle Features nutzen kann jedoch nur, wer sich mit seinem Facebook-Account anmeldet. Dann stehen einem neben dem Twitterfeed, in dem alle Nachrichten mit dem Hashtag #voice einfließen, und den News zur Sendung auch Chat und die Play-Option offen. In der Kategorie News gibt es - während der Ausstrahlung stets aktualisiert - die Auftritte der Kandidaten, kurze Interviews und Filmchen zu sehen. Ein schöner Zusatz, der das Programm gut ergänzt.

Die anderen Funktionen sind sozial ausgerichtet: Wer die Show nicht gemeinsam mit seinen Freunden ansieht, kann sich über die App mit ihnen vernetzen, sich im Chat austauschen, Quizfragen beantworten und an Abstimmungen teilnehmen. Kann der Kandidat singen, sollte er weiterkommen, für welchen Juror entscheidet er sich? Mit Fragen wie diesen spiegelt die App genau die Gespräche wider, die die Zuschauer auch in größerer Runde vor dem heimischen Fernseher führen - eine gute Idee, die vor allem dem jüngeren Publikum gefallen dürfte.

Beim Ausprobieren fällt jedoch zweierlei auf: So richtig Spaß macht all das nur, wenn genug Freunde angemeldet sind und beim Abstimmen mitmachen. Und auch die Technik stößt manchmal an ihre Grenzen: Im Selbstversuch ist die (Android-)App dreimal abgestürzt. Das kann natürlich ein Einzelfall gewesen sein, aber die Lust am Interaktiven vergeht einem dadurch trotzdem ein wenig.

Die App ersetzt die Gespräche, die man beim Fernsehen mit Freunden führt
Die App ersetzt die Gespräche, die man beim Fernsehen mit Freunden führt
Wie gut die App beim Publikum ankommt, ist nicht klar, denn offizielle Downloadzahlen gibt es von Pro Sieben Sat 1 nicht. Laut Facebook hat "The Voice of Germany Connect" 4000 aktive Nutzer pro Monat. Bei Apple liegt die Sendung aktuell auf Platz 49 der kostenlosen Apps, in der Kategorie Unterhaltung sogar auf Rang 5. Laut Android Market wurde die App für das Google-Betriebssystem bislang 1000 bis 5000 Mal heruntergeladen, hier liegt sie im Bereich Unterhaltung auf Platz 55 der kostenlosen Angebote.

Doch so schön die App auch ist, für Nutzer anderer Betriebssysteme ist es schwierig, sich auf dem Smartphone mit der Sendung auseinanderzusetzen: Die Website Thevoiceofgermany.de hat keine mobile Version. Wer also zusätzliche Informationen zur Castingshow sucht und die App nicht heruntergeladen hat, dessen Handy wird vom regulären Onlineauftritt fast gesprengt. Auch die Websiten der Sender bieten da keine Abhilfe: Pro Sieben und Sat 1 verzichten beide ebenfalls auf zugeschnittene Smartphone-Seiten.

Social TV und Onlinevideo

Alle, die einen größeren Bildschirm bevorzugen und einen HbbTV-fähigen Fernseher im Wohnzimmer stehen haben, können auch dort mit "The Voice of Germany Connect" auf die Inhalte der Smartphone-App zugreifen. Laut Pro Sieben Sat 1 ist das Angebot mit "bis zu 20.000 Visits pro Sendung sehr gut gestartet". Auch die Onlinevideoabrufe können sich sehen lassen: Seit Start verzeichnet "The Voice" 3,5 Millionen Video Views und knapp 10 Millionen Page Impressions. Die digitale Verlängerung, sie scheint zu funktionieren.

Fazit

Es war eine gute Entscheidung der Sender, "The Voice" so massiv in der digitalen Welt zu unterstützen. Vor allem für jüngere Zuschauer dürften vor allem das Facebook- und App-Angebot ein Anreiz sein, sich mit dem Format auseinanderzusetzen und mit Freunden darüber zu sprechen. Allerdings bleiben Smartphone-Besitzer, die kein Apple- oder Android-Gerät ihr Eigen nennen, bei dieser Strategie außen vor. Deshalb der Appell an Pro Sieben Sat 1: Mobile Websites und eine absturzsichere Version der bereits vorhandenen Apps wären das Sahnehäubchen auf der Digitalstrategie zur Sendung. sw
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