HORIZONT-Check: Warum "Hollyhome" am Kiosk auch längerfristig Erfolg haben könnte

Freitag, 09. September 2011
Die Zielgruppe: Junge Frauen ab 20
Die Zielgruppe: Junge Frauen ab 20

"Wir gucken über den Tellerrand und schauen auch noch ins kleinste WG-Zimmer." So beginnt das Editorial von "Hollyhome – Lebe deinem Raum", einer Lifestyle- und Wohnzeitschrift, die von den Burda-Journalistenschülern aus der Taufe gehoben wurde. Ab Mittwoch liegt das Magazin zunächst als einmalige Sonderausgabe am Kiosk und besticht dort mit einer ungewöhnlichen Themenmischung für eine junge Zielgruppe.

1) Das Layout

Da Design thematisch eine große Rolle spielt, wird auch beim Heft großer Wert auf Optik gelegt. Geht es darum, Einblicke in die Wohnungen anderer Menschen zu gewähren, wird auch schon mal eine ganze Seite mit einem einzigen Foto gefüllt. Überhaupt ist das Heft sehr bildlastig. Wer Design zeigen möchte, muss sich eben auch trauen, Bilder ohne viel Text stehen zu lassen. Dennoch bekommt man nicht den Eindruck, die Autoren hätten nichts zu sagen gehabt – im Gegenteil: Fotos werden sinnvoll durch Texte und Interviews ergänzt, und sobald eine kurze Erklärung nicht reicht, beispielsweise im „Heimat“-Dossier, bekommen auch lange Textstrecken eine Chance.

Sehr bildlastig: Ein Besuch bei der Mode-Bloggerin Amelie Kahl
Sehr bildlastig: Ein Besuch bei der Mode-Bloggerin Amelie Kahl

2) Die Inhalte

Aufgebaut ist "Hollyhome" wie eine Wohnung: Vom "Entree" (Neuigkeiten und Fundstücke) gelangt man über "Wohnzimmer" (Einblicke in fremde Wohnungen) und "Studio" (Do-it-yourself-Tipps) zum "Fenster" (Blick in die Welt) und letztlich in die "Küche" (Kochthemen). Highlights des Heftes sind zum einen die stark bildlastigen Artikel aus dem "Wohnzimmer": Der Leser darf sich in der Altbauwohnung der Designerinnen von Perret Schaad umschauen und ein Blick in das Leben einer Sechser-WG werfen, die im Münchner Olympiadorf lebt. Spannende Personen und ungewöhnliche Wohnorte – da dürfen die Bilder größtenteils für sich stehen und werden nur durch kurze Interviews ergänzt.

Besonders lesenswert ist das Dossier zum Thema „Heimat heute“: Was bedeutet für junge Menschen, die viel unterwegs sind, das Wort Heimat? Hier darf es dann auch mal viel Text sein, der jedoch mit eingestreuten Kurzinterviews aufgelockert wird. Der vielleicht überraschendste Text im ganzen Heft: Eine Reportage über Stundenhotels, in denen sich junge Muslime treffen. Diese Geschichte geht zwar weg vom klassischen Wohnthema und dem meist lockeren Tenor des Heftes – und stört dennoch die Gesamtkonstruktion des Blattes in keinster Weise.

Produkttipps finden im "Entree" ihren Platz
Produkttipps finden im "Entree" ihren Platz

3) Die Zielgruppe

Das Heft richtet sich vornehmlich an Frauen ab 20 Jahren, die Wert auf Stil und Individualität legen. Da die Journalistenschüler selbst zum Großteil weiblich und auch altersmäßig Teil der Zielgruppe sind, wissen sie also genau, für wen sie schreiben. Das bemerkt man auch bei der Themenwahl. Die Autoren trauen sich, über den Tellerrand eines reinen Wohnmagazins zu schauen und zwischendurch auch mit komplexeren Geschichten aufzuwarten.

4) Der Werbemarkt

Laut Burda ist das Magazin "zunächst als einmaliges Sonderheft" geplant. Die Auflage liegt bei 50.000 Exemplaren, der Copypreis bei 3,30 Euro. Von den 115 Seiten sind knapp 20 mit Anzeigen belegt, der Großteil davon jedoch für andere Titel aus dem Hause Burda. Zu den Werbekunden dieser Ausgabe gehören Nivea, Hülsta und Simplicol. Unternehmen, die junge Frauen erreichen wollen, und dies jenseits von Beauty und Fashion könnten mit "Hollyhome" ihre Zielgruppe erreichen. Vor allem für Anbieter von Möbeln und Wohnaccessoires wäre das Magazin eine gute Werbeplattform, vorausgesetzt, es gibt eine zweite Ausgabe.

5) Das Fazit

"Hollyhome" ist eine gelungene Mischung aus Modemagazin, Do-it-yourself-Heft und Wohnzeitschrift, das ein wenig an "Neon" erinnert und in dieser Form am Kiosk bislang noch nicht zu finden ist. Das Heft besticht mit vielen Bildern, guten Ideen und spannenden Geschichten, die in dieser Themenkombination der Zielgruppe gut gefallen dürften – und das sicherlich über mehr als eine Ausgabe hinaus. Sollte sich die erste Ausgabe gut verkaufen, dürfte Burda daher sicher über eine Fortsetzung nachdenken, die dann auch auf dem Werbemarkt gute Chancen hätte. sw
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