HORIZONT-Check: Hat "Stromberg" seinen Zenit schon überschritten?

Mittwoch, 09. November 2011
Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg: Endlich oben angekommen?
Christoph Maria Herbst als Bernd Stromberg: Endlich oben angekommen?


Mit 16 Prozent Marktanteil legte die neue Staffel von "Stromberg" einen Einstand nach Maß hin. Christoph Maria Herbst geht in seiner Paraderolle als Büro-Ekel Bernd Stromberg wieder einmal prächtig auf und liefert großartige Sprüche wie am Fließband. Doch trotz der grandiosen Auftaktfolge drängt sich der Verdacht auf, dass die Serie ihren Zenit mittlerweile überschritten hat. Bereits in der letzten Staffel musste Autor Ralf Husmann zu einem dramaturgischen Kniff greifen, um der Serie einen neuen Impuls zu geben: Der Zwangsversetzung von Stromberg in das fiktive Nest Finsdorf. Damit konnte die Serie nicht nur um neue Figuren, sondern auch um zusätzliche Handlungsorte erweitert werden und brach zum ersten Mal aus dem gewohnten Rahmen der Büroräume aus. Diese Auffrischung tat der Serie und der Entwicklung der Charaktere sichtlich gut.

In den neuen Folgen ist nun erst einmal wieder alles beim Alten: Papa Stromberg ist wieder zurück in der Zentrale der Capitol Versicherung. Tanja ist wieder einfache Sachbearbeiterin und zofft sich wie gewohnt mit Freund Ulf, Mobbing-Opfer Ernie sucht sein Seelenheil ab sofort bei der katholischen Kirche und Jennifer kann sich nach wie vor nicht entscheiden, ob sie sich auf eine feste Beziehung mit ihrem Chef einlassen soll oder nicht.

Um für neuen Wind zu sorgen, schickt Husmann dieses Mal Strombergs Chef Becker, der nach der Trennung seiner Frau zur Flasche greift, in den Zwangsurlaub. Stromberg steigt damit zunächst zum Chef der Schadensregulierung auf - inklusive eigener Sekretärin und  neuem Chefbüro. Der nette dramaturgische Effekt: Nachdem sich Stromberg in der vierten Staffel nach seiner Versetzung wieder mühsam hocharbeiten musste, erhöht sich nun die Fallhöhe des tragischen Helden des Büroalltags. Wie die Geschichte am Ende ausgeht - man ahnt es bereits.

Der erneute Kunstgriff macht allerdings auch das Dilemma der Serie deutlich: Nach vier Staffeln erscheinen einige der Figuren mehr oder weniger ausgereizt. Allenfalls neue Marotten wie Ernies Religiosität oder zugespitzte persönliche Konflikte wie der ewige Beziehungsstreit zwischen Ulf und Tanja eröffnen der Handlung wieder neue Spielräume. Allzu oft ahnt man bereits vorher, wie eine Situation aufgelöst wird. Auf der anderen Seite macht gerade das ja auch den Reiz von "Stromberg" aus: Es gibt Dinge, die ändern sich einfach nie. Und das ist auch gut so. Wie bei den eigenen Kollegen sind einem einige der Figuren mit der Zeit ans Herz gewachsen, mit anderen muss man sich halt irgendwie arrangieren. Eine Fernsehserie ist wie der eigene Kollegenkreis immer auch eine Zwangsgemeinschaft auf Zeit. Anders als am eigenen Arbeitsplatz kann man im Fernsehen allerdings mit einem einfachen Knopfdruck jederzeit aussteigen. dh
Meist gelesen
stats