HORIZONT-Check: Harald Schmidt - ein Geschenk, das keiner braucht

Mittwoch, 05. September 2012
Harald Schmidt blieb zum Auftakt auf Sky hinter den Erwartungen zurück
Harald Schmidt blieb zum Auftakt auf Sky hinter den Erwartungen zurück

Es gibt ja Geschenke, die keiner so recht will. Bis Ende des Jahres ermöglicht der Pay-TV-Anbieter Sky all seinen Kunden, unabhängig von den gebuchten Paketen, die „Harald Schmidt Show" zu sehen, als „Dankeschön an alle Abonnenten". Eigentlich hätten also 3 Millionen Zuschauer einschalten können. Am Dienstagabend taten das gerade einmal 20.000. Und ob sie soviel Gutes davon erzählen werden, ist unwahrscheinlich. Die Show

Ob ARD, Sat 1 oder nun also Sky: Harald Schmidt bleibt Harald Schmidt. Ein Harald Schmidt, der nach einer mehrmonatigen Pause auch nicht unbedingt eine umwerfende Premiere braucht, um sich zu profilieren. So beginnt er in gewohnter Manier mit der sarkastischen Aufarbeitung aktueller Themen, von der Beschneidungsdiskussion über die Auseinandersetzung zwischen Thomas Gottschalk und Markus Lanz bis hin zum Lufthansa-Streik, wegen dem er sich am Morgen aus Solidarität mit den streikenden Stewardessen einfach selbst Kaffee in den Schritt gegossen hat. Das ist Schmidt, wie man ihn kennt. Der Block zieht sich über zehn Minuten und ist - bestenfalls - mittelmäßig witzig.

Ein bisschen mehr Zeit hätte dem Auftritt von Sidekick Klaas Heufer-Umlauf gut getan, der sich über die trashigen Bücher aus dem Riva-Verlag echauffierte, in dem auch Bettina Wulffs Werk erscheint. Nach ein paar Kommentaren, deren Zynismus sich gar nicht erst entfalten konnte, wurde der junge Kollege dann aber recht schnell wieder hinter die Bühne geschickt. Und es plätscherte weiter: Schmidt als viel zu netter Sky-Kritiker, Schmidt im gelangweilten Plauderton im Gespräch mit der Cellistin Sol Gabetta und der Pianistin Hélène Grimaud, die sich als Gäste für eine Premierenshow höchstens für die intellektuellen Klassikfans im Publikum eigneten, und Schmidt als Entertainer, der nach gerade einmal 35 Minuten um kurz vor 23 Uhr auf Wiedersehen sagt. Natürlich, Harald Schmidt ist noch immer Harald Schmidt. Nur kostet er jetzt Geld.

Die Vermarktung

Die Premium-Zuschauer wären angesichts der geringen Anzahl der Werbekunden froh gewesen, hätte Sky die Pause nicht mit drei Eigenspots künstlich in die Länge gezogen. Der Vermarkter Sky Media Network dürfte mit seinem Erfolg anlässlich der Rückkehr von „Dirty Harry" jedenfalls alles andere als zufrieden sein. Nur McDonald's, Nikon und HUK Coburg hatten sich im Late-Night-Talk-Umfeld platzieren wollen. Mehr Schmidt gab es für seine Fans und die anderen Zuschauer trotzdem nicht. Nach dem Ende um 22.54 Uhr sahen die Sky-Kunden bis zum offiziellen Ende um 23 Uhr ein Making-Of der Fantasy-Serie „Game of Thrones" - mittelalterlich.

Der Sender

Der Pay-TV-Anbieter Sky kann mit dem Auftakt der Harald-Schmidt-Show nicht zufrieden sein. Hatte er doch mit einer groß angelegten Werbekampagne in Print und Online für die Rückkehr des Talkstars getrommelt, der neben Lothar Matthäus eines der neuen prominenten Leuchttürme im Programm des Senders sein soll. Gary Davey, Programmchef Sky Deutschland, äußerte sich am Mittwoch dennoch optimistisch: "Wir sind sehr zufrieden mit der Auftaktsendung der Harald Schmidt Show. Mit der zusätzlichen Verbreitung über Sky Go und Sky Anytime haben wir zudem eine neue Ära des TV-Erlebnisses eingeläutet. Harald hat gezeigt, dass er der König des Late Nights ist und in punkto Qualitätsfernsehen Maßstäbe setzt. Damit passt er perfekt zur Strategie von Sky, die konsequent Qualität und nicht Quote in den Mittelpunkt stellt."

Zukunftsperspektive

Selbst eine Late-Night-Legende braucht eine positive Mundpropaganda, wenn sie nach mehreren Monaten nicht nur auf den Bildschirm, sondern damit auch ins Bezahlfernsehen zurückkehrt. Nach der Premiere am Dienstag wird es diese wohl nicht geben. Zu platt waren die Gags, zu langweilig die Gäste. Vielleicht machen es Schauspielerin Anna Fischer und Britta Heidemann, Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen in London, besser, wenn sie sich in dieser Woche zu Harald Schmidt an den Tisch setzen. Er alleine kann das nicht mehr. kl
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