HORIZONT Check: "Berlin Tag & Nacht" startet schwach, hat aber Potenzial

Dienstag, 13. September 2011
Meike spielt eine der Hauptrollen in "Berlin Tag & Nacht"
Meike spielt eine der Hauptrollen in "Berlin Tag & Nacht"

Da hat sich RTL 2 sicher mehr erhofft. Die 120-teilige Serie „Berlin Tag & Nacht“ startete gestern mit einem mauen Marktanteil von 4,1 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen, das waren lediglich 300.000 Zuschauer. Der Auftakt dürfte den Sender hart treffen, ist „Berlin Tag & Nacht“ doch eine der aufwendigsten Produktionen von RTL 2, deren Start zudem breit beworben wurde. Dabei hat das neue Format, das RTL 2 selbst als „Realtainment“ bezeichnet, echtes Potenzial. In „Berlin Tag & Nacht“ kreuzt RTL 2 zwei Formate: Die Daily Soap und Scripted Reality. Die Schauspieler hatten ihr Debüt in gescripteten Produktionen des Senders und wurden danach gecastet, dass sie auch im echten Leben wieder erkennbare Besonderheiten haben. Diese sind in ihre Rollen in „Berlin Tag & Nacht“ eingeflossen. Die Serie, die anmutet wie eine spannendere Variante von „Big Brother“, spielt in einer Wohngemeinschaft in Berlin-Kreuzberg und startet mit dem Auftauchen der blonden attraktiven Meike. Diese ist von ihrem Exfreund Marcel eingeladen worden, von Hamburg nach Berlin in das freie WG-Zimmer zu ziehen. Marcels sechs Mitbewohner reagieren gereizt – hat er Meikes Kommen doch nicht angekündigt. Vor allem die in den angehenden Künstler verliebte Ceylan ist sauer.

Meike will es als Tattoo-Künstlerin in Berlin schaffen
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„Berlin Tag & Nacht“ bietet damit alles, was Serienjunkies brauchen: Es hat vielfältige Handlungsstränge, polarisierende Charaktere, spielt in „der angesagtesten Stadt der Welt“, wirkt irgendwie echt und nahbar und läuft jeden Wochentag. Über Qualität lässt sich bekanntlich trefflich streiten, aber handwerklich und von der Besetzung her, ist das Format sauber realisiert. Und es passt auch gut in den Umbau, den Programmdirektor Holger Andersen vorantreibt. Er versucht mit Anpassungen des Programmschemas einen harmonischen Audience Flow herzustellen. Die Kinderschiene am Nachmittag ist dafür bereits aus dem Programm geflogen. Stattdessen beginnt RTL 2 nun schon ab 11 Uhr mit Wiederholungen von Doku Soaps und gescripteten Formaten Zuschauer einzusammeln. Bislang allerdings mit keinem sichtbaren Erfolg. Im Jahrestrend liegt die Quote in der jüngeren Zielgruppe bei 5,6 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte unter dem Marktanteil 2010.

Angedacht ist „Berlin Tag & Nacht“ vom Sender, um eine Alternative zu „Big Brother“ bieten zu können, dessen Finale gestern mit 740.000 Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren und einem Marktanteil von 8,3 Prozent endete. „Big Brother“ bringt dem Sender verlässlich Quote, die wiederum sichtbar fehlt, wenn die Staffeln enden. „Berlin Tag & Nacht“ startete gestern auf dem eigentlichen „Big Brother“-Sendeplatz um 19 Uhr. Auch in Sachen Audience Flow hatte das Format damit eigentlich eine brauchbare Vorlage: Um 18 Uhr laufen die gescripteten Urlaubsstorys „X-Diaries“, im Anschluss kamen die „RTL 2 News“ und „Big Brother“.

Dass es trotzdem nicht geklappt hat, könnte zwei Gründe haben: Zum einen sind die „Big Brother“-Zuschauer vielleicht erst heute, nach dem Auszug ihrer Stars aus dem überwachten Haus, bereit, sich auf neue Gesichter einzulassen. Das müsste sich dann bereits heute Abend in den Quoten widerspiegeln. Oder aber die „Big Brother“-Zuschauer wollen keine Serie sehen und weichen auf andere Formate aus. Dann müsste RTL 2 für „Berlin Tag & Nacht“ eine völlig neuen Zuschauerstamm aufbauen. Das könnte schwierig werden, denn parallel läuft auf RTL die Daily Soap „Alles was zählt“, die eine treue Zuschauerschaft hat.


Vielleicht braucht RTL 2 auch nur einen langen Atem. Auch „Alles was zählt“ hatte am Anfang deutliche Probleme und ist erst über Internet-Abrufe groß geworden. Im Kern ist es auf jeden Fall ein zu RTL 2 passendes, im besten Sinne trashiges und gut umgesetztes Format für den Sender, das im Zuschauermarkt gut funktionieren sollte. pap
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