HORIZONT-CHECK: "Couch" enttäuscht mit Kleinklein - doch den Werbekunden gefällt's

Mittwoch, 11. Januar 2012
"Couch" trägt die Mutter "Schöner Wohnen" auch im Titel
"Couch" trägt die Mutter "Schöner Wohnen" auch im Titel

Jung, inspirierend und trendy, all das ist "Couch" - findet zumindest Gruner + Jahr. Der Verlag positioniert das Wohn- und Fashionmagazin im Pocketformat als die junge Version von "Schöner Wohnen", Zielgruppe sind Frauen zwischen 20 und 34 Jahren. So richtig spannend ist "Couch" allerdings vor allem für Wohninteressierte, die keine Lust auf lange Texte haben. HORIZONT.NET hat sich das Heft angesehen - und mit dem Burda-Oneshot "Hollyhome" verglichen.

Layout und Inhalt

Wer bei "Couch" nicht auf das Cover schaut, sondern direkt anfängt, durch das Heft zu blättern, könnte beinahe meinen, einen Katalog in der Hand zu halten: Kurztexte statt langer Lesestücke, kleine Bilder und Produktbeschreibungen. Größtenteils setzt sich das Magazin aus kleinteiligen Seiten zusammen, auf denen Wohnaccessoires, Modetrends und Kosmetikartikel beschrieben werden - Preis und Kaufhinweis inklusive.

Kleinklein auch in der "Travel"-Abteilung: Statt Reisetipps nur Nagellack
Kleinklein auch in der "Travel"-Abteilung: Statt Reisetipps nur Nagellack

Dabei scheint es beinahe egal, um welches Thema es gerade geht, denn die Umsetzung ist immer die gleiche - ob bei Reisetipps für Skandinavien, dem Wohnungsbesuch beim Designer-Pärchen oder den aktuellen Make-up-Farben. Zum wirklichen Lesen reizt "Couch" deshalb nicht (kein Wunder, da es ja auch kaum etwas zu lesen gibt), stattdessen ist das Magazin ein reines Durchblätterblatt.

Das ist schade - vor allem für ein redaktionelles Produkt, das sich an "Schöner Wohnen" anlehnen soll. Denn hier leistet Chefredakteur Stephan Schäfer, der auch "Couch" verantwortet, ganze Arbeit, auch inhaltlich. Für den jungen Ableger steht ihm ein "ausgewähltes Team aus der 'Schöner Wohnen'-Redaktion" zur Seite, wie es bei G+J heißt. Gerade mit so viel journalistischer und fachlicher Expertise wäre ein bisschen mehr Text und ein bisschen weniger Kleinklein wünschenswert gewesen - zumal einige Ideen für Artikel richtig gut sind: Eine Übersicht über berühmte und aufsteigende Möbeldesigner, ein Extra über Skandinavien, Tipps zum Streichen und eine Modestrecke im Designhotel - hier wäre mehr (Text) tatsächlich mehr gewesen.

Hier wäre mehr drin gewesen: Das "Who is Who" der Möbeldesigner
Hier wäre mehr drin gewesen: Das "Who is Who" der Möbeldesigner

Werbemarkt

Dennoch: Den Werbekunden scheint das Konzept zu gefallen (vielleicht auch, weil sie ihre Produkte in den vielen Kauftipps wiederfinden können?). Die erste Ausgabe von "Couch" ist 228 Seiten dick - und durchaus gut gebucht: Anzeigen kommen von Kosmetikkonzernen wie L'Oréal Paris, Lancôme und Nivea, Einrichtungsunternehmen wie Ikea und Ligne Roset sowie Modeketten wie Deichmann und Tamaris. Hülsta hat für seine junge Marke Now sogar ein 16-seitiges Special gebucht. Ein besonderer Coup für die Erstausgabe ist jedoch die Kooperation mit H&M Home: Die Wohnsparte des schwedischen Modehauses bietet mit einer Shoppingcard einmalig 50 Prozent auf ein Produkt - für einige sicher ein weiterer Kaufanreiz.

Zunächst ist "Couch" als Oneshot angelegt, allerdings mit der Option auf Verlängerung: Bei Erfolg soll das Magazin ab Herbst 2012 monatlich erscheinen. Der Copypreis beträgt 2 Euro und ist so mit anderen monatlichen Frauenzeitschriften im Pocket-Format wie "Glamour" oder "Jolie" vergleichbar. Die Druckauflage liegt bei 200.000 Exemplaren.

Ob Mode, Besteck oder Tapeten, bei "Couch" findet alles seinen Platz
Ob Mode, Besteck oder Tapeten, bei "Couch" findet alles seinen Platz

"Couch" vs. "Hollyhome"

Wer wirklich etwas zum Thema Wohnen und Mode lesen und nicht nur durch bunte Bilder blättern will, den wird "Couch" eher enttäuschen als überzeugen. Dabei hat Burda erst im September gezeigt, dass ein Wohnmagazin für junge Frauen Spaß machen kann: Bei "Hollyhome" durften sich die Journalistenschüler des Verlags ausprobieren. Zwar waren auch beim Burda-Testballon längere Lesestücke selten, aber sie waren vorhanden und haben dem Heft zu mehr Tiefe verholfen. Hier sollte "Couch" noch einmal nachbessern, damit die Zeitschrift stärker an ein redaktionelles Produkt erinnert - und weniger an den Katalog eines schwedischen Möbelhauses. sw
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