Gruner + Jahr prüft Kurzarbeit / Gespräche mit Betriebsrat laufen

Dienstag, 21. Juli 2009
Plant weitere Einschnitte: G+J-Chef Bernd Buchholz
Plant weitere Einschnitte: G+J-Chef Bernd Buchholz

Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr denkt offenbar konkret über Kurzarbeit nach, zumindest für einen Teil der rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland. Dies erfuhr HORIZONT.NET aus Verlagskreisen. Hintergrund sind die Einbrüche vor allem im Anzeigengeschäft und entsprechend schlechtere Ergebnisprognosen. Nach neueren internen Berechnungen wird G+J in diesem Jahr insgesamt voraussichtlich weniger als 2,5 Milliarden Euro erlösen (2008: 2,77 Milliarden) und ein Betriebsergebnis (Operating Profit) von zwischen 130 und 160 Millionen Euro erzielen (2008: 225 Millionen). Im Mai dieses Jahres lag die EBIT-Prognose für 2009 noch bei 200 Millionen Euro. Unterm Strich, also abzüglich Sonderaufwendungen (Firmenwertabschreibungen, Abfindungszahlungen, Restrukturierungskosten), Zinsen und Steuern, könnte G+J 2009 sogar ins Minus rutschen.

Ein G+J-Sprecher teilt auf Anfrage mit: „Es gibt aktuell keine konkreten Pläne oder Beschlüsse zu etwaiger Kurzarbeit." Gleichwohl sei es „vor dem Hintergrund der weiterhin negativen Geschäftsentwicklung nachvollziehbar, auch solche Themen prinzipiell und ergebnisoffen" zu prüfen. „Hierzu laufen aktuell erste Sondierungsgespräche mit dem Konzernbetriebsrat", bestätigt der Sprecher. Das klingt schon konkreter als im Mai: Damals hatte G+J-Vorstandschef Bernd Buchholz bei einer Mitarbeiterversammlung auf Nachfrage Kurzarbeit lediglich nicht ausgeschlossen.

Konzernbetriebsrat und Verlagsführung verhandeln seit vergangener Woche über die anstehenden Umstrukturierungen, mit denen G+J auf die Wirtschafts- und Werbekrise reagieren will. Ziel sei es, „über Möglichkeiten zu verhandeln, wie die Arbeitnehmer von G+J zur Stabilisierung des Geschäfts beitragen können", heißt es in einem Schreiben des Betriebsrates. Dabei solle die Beschäftigungssicherung im Mittelpunkt stehen. Neben Kurzarbeit lässt G+J derzeit dem Vernehmen nach auch mögliche Verzichte auf Weihnachts- und Urlaubsgeld durchrechnen. Dies könnte auch in Form einer befristeten Stundung erfolgen, ist zu hören.

Wie berichtet, eruieren Buchholz und seine Verlagsgeschäftsführer derzeit parallel alle Möglichkeiten zur Kostensenkung. Im Gespräch - und teilweise bereits begonnen - sind Zentralisierungen und Outsourcing in Bereichen wie Vermarktung, Marketing, Redaktionen, Stabsstellen und Verwaltung. Ebenfalls Thema sind die Abschaffung von Führungsebenen sowie der Verkauf oder die Einstellung einzelner Titel. rp
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