Gruner + Jahr kritisiert Wettbewerbsverzerrungen durch das System der Handelsspannen

Donnerstag, 11. März 1999

In einem Schreiben an den Bundesverband Pressegrosso kritisiert Hartmut Bühne, Vertriebschef von Gruner + Jahr, den aktuellen Berechnungsmodus der Handelsspannen im Pressegrosso sowie die unfaire Rabattierungspraxis bei der Einführung neuer Titel. Das gegenwärtige Modell zur Ermittlung der dem Pressegrosso gewährten Handelsspannen wurde vor allem im Einvernehmen mit den Verlagen Axel Springer und Heinrich Bauer eingeführt. Danach richtet sich die Handelsspanne, also das Entgelt für den Grossisten pro verkauftes Exemplar, nach der Auflage des jeweiligen Titels, während der Preis mit wenigen Ausnahmen keine Rolle spielt. Dieses System begünstigt vor allem Massentitel mit Copypreisen unter 2 Mark, die zu einem großen Teil Verdrängungsstrategien verfolgen. Wie Gruner + Jahr moniert, werden durch diese Berechnungsweise vor allem Qualitätstitel benachteiligt, die aufgrund ihrer hohen Preise dem Grosso selbst bei geringen Auflagen hohe Umsätze bescheren. Richtigerweise müsse die Handelsspanne nicht nur nach der Auflage, sondern nach dem erzielten Umsatz berechnet werden. Wurde dem Handel bisher bei Aktions- und Einführungspreisen von allen Verlagen die auf den späteren Normalpreis berechnete Spanne gewährt, will sich das Grosso bei "TV 14" und "TV direkt" mit einer Spanne begnügen, die den niedrigeren Aktionspreis zur Grundlage hat.
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