Gruner + Jahr installiert Redaktionsgemeinschaft in Berlin

Montag, 26. April 1999

Mit einem neuen Redaktionskonzept läutet Gruner + Jahr auf dem hart umkämpften Kaufzeitungsmarkt eine neue Runde ein. Die beiden Zeitungen des Verlages, der "Berliner Kurier" und die "Hamburger Morgenpost", werden Presseberichten zufolge ab 1. Juli 1999 ihre überregionale Berichterstattung zukünftig zentral aus einer gemeinsamen, in Berlin ansässigen Redaktionsgemeinschaft beziehen. Zugleich werden die beiden Zeitungen die Redaktionen für die Ressorts Politik, Vermischtes und Service abschaffen und nur noch für die Lokalberichterstattung eigenverantwortlich tätig sein. Eingebunden in das Konzept ist auch der Verlag DuMont Schauberg mit dem Kölner "Express", allerdings nicht in Form einer Beteiligung. Die Kölner werden vielmehr im Zuge eines Dienstleistungsvertrages als zahlender Kunde Texte aus dem neuen Berliner Redaktionspool beziehen. Dieser soll auch anderen Blättern offenstehen. Gruner + Jahr erhofft sich von dem System vor allem eine Stärkung der "Hamburger Morgenpost", die seit der Übernahme vor dreizehn Jahren dem Verlagshaus etwa 130 Millionen Mark Verlust und schmerzhafte Auflageneinbußen beschert haben soll, berichtet "Die Welt". Unterdessen haben die Betriebsräte der betroffenen Zeitungen sowie die Gewerkschaft IG Medien gegen die Berliner Pläne protestiert. Neben dramatischem Arbeitsplatzabbau befürchten Gewerkschaftsvertreter von dem Modell auch Verluste für die Meinungsvielfalt in der deutschen Presselandschaft.
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